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Pressemitteilung 01-2012

09.01.2012



GEW fordert: Mehrsprachigkeit fördern statt Deutsch anordnen

Die Bildungsgewerkschaft GEW lehnt die neue Regelung am Neunkircher Krebsberggymnasium, wonach auf dem Schulhof in den Pausen nur noch Deutsch gesprochen werden darf, entschieden ab.

GEW Landesvorsitzender Peter Balnis: „Die deutsche Sprache als Umgangssprache in der Schule festzuschreiben schafft Ignoranz gegenüber den bestehenden kulturellen Unterschieden der SchülerInnen, diskriminiert die besonderen Fähigkeiten von Migranten und beeinträchtigt die Sprachentwicklung. Die sprachpsychologische Forschung hat längst erwiesen, dass die sichere Beherrschung der Muttersprache von großer Bedeutung für die Aneignung weiterer Sprachen ist. An den Schulen muss Mehrsprachigkeit gefördert statt Deutsch auf dem Schulhof angeordnet werden.“ Darüber hinaus hält es Peter Balnis für nicht zumutbar, wenn LehrerInnen oder SchülerInnen damit beauftragt werden, die Einhaltung dieser Sprachregelung zu kontrollieren.

Andrea Konter, Sprecherin des GEW-Landesausschusses für multikulturelle Angelegenheiten, ergänzt: „Die Muttersprache ist für alle Menschen eine identitätsstiftende Kompetenz. SchülerInnen an Gymnasien mit Migrationshintergrund verfügen über hinreichende Sprachkenntnisse, um sich im Unterricht und außerhalb auf Deutsch zu verständigen. Verwenden sie ihre Muttersprache, um nicht verstanden zu werden, dann sind sie wohl in dem Moment nicht an sprachlichem Miteinander interessiert. Zur Verständigung brauchen sie ein interessiertes Gegenüber. Vielleicht mangelt es ja manchem Gymnasiasten an interessierten Dialogpartnern im Schulleben oder an Akzeptanz für ihre kulturelle Identität.“

Die Kultusministerkonferenz hatte zuletzt im Jahr 2010 der Deutschpflicht auf Schulhöfen eine Absage erteilt. Die saarländischen Schulgesetze ermöglichen muttersprachlichen Unterricht, sogar durch eine zeitliche Reduzierung des deutschsprachigen Unterrichtes.

Die GEW unterstützt die Absicht von Staatssekretär Körner prüfen zu lassen, ob die Sprachregelung des Krebsberggymnasium Persönlichkeits- und Freiheitsrechte von SchülerInnen einschränkt. Sie setzt sich für eine interkulturelle Öffnung der Schule, für eine Akzeptanz von Mehrsprachigkeit als Ressource, für Bildungsgerechtigkeit gegenüber SchülerInnen nicht-deutscher Herkunft ein. Sie fordert deshalb die Anerkennung der Muttersprache der SchülerInnen als 1. Fremdsprache.


 
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