Die Bildungsgewerkschaft GEW lehnt die neue Regelung am Neunkircher Krebsberggymnasium, wonach auf dem Schulhof in den
Pausen nur noch Deutsch gesprochen werden darf, entschieden ab.
GEW Landesvorsitzender Peter Balnis: „Die deutsche Sprache als
Umgangssprache in der Schule festzuschreiben schafft Ignoranz gegenüber
den bestehenden kulturellen Unterschieden der SchülerInnen,
diskriminiert die besonderen Fähigkeiten von Migranten und
beeinträchtigt die Sprachentwicklung. Die sprachpsychologische Forschung
hat längst erwiesen, dass die sichere Beherrschung der Muttersprache von
großer Bedeutung für die Aneignung weiterer Sprachen ist. An den Schulen
muss Mehrsprachigkeit gefördert statt Deutsch auf dem Schulhof
angeordnet werden.“ Darüber hinaus hält es Peter Balnis für nicht
zumutbar, wenn LehrerInnen oder SchülerInnen damit beauftragt werden,
die Einhaltung dieser Sprachregelung zu kontrollieren.
Andrea Konter, Sprecherin des GEW-Landesausschusses für multikulturelle
Angelegenheiten, ergänzt: „Die Muttersprache ist für alle Menschen eine
identitätsstiftende Kompetenz. SchülerInnen an Gymnasien mit
Migrationshintergrund verfügen über hinreichende Sprachkenntnisse, um
sich im Unterricht und außerhalb auf Deutsch zu verständigen. Verwenden
sie ihre Muttersprache, um nicht verstanden zu werden, dann sind sie
wohl in dem Moment nicht an sprachlichem Miteinander interessiert. Zur
Verständigung brauchen sie ein interessiertes Gegenüber. Vielleicht
mangelt es ja manchem Gymnasiasten an interessierten Dialogpartnern im
Schulleben oder an Akzeptanz für ihre kulturelle Identität.“
Die Kultusministerkonferenz hatte zuletzt im Jahr 2010 der
Deutschpflicht auf Schulhöfen eine Absage erteilt. Die saarländischen
Schulgesetze ermöglichen muttersprachlichen Unterricht, sogar durch eine
zeitliche Reduzierung des deutschsprachigen Unterrichtes.
Die GEW unterstützt die Absicht von Staatssekretär Körner prüfen zu
lassen, ob die Sprachregelung des Krebsberggymnasium Persönlichkeits-
und Freiheitsrechte von SchülerInnen einschränkt. Sie setzt sich für
eine interkulturelle Öffnung der Schule, für eine Akzeptanz von
Mehrsprachigkeit als Ressource, für Bildungsgerechtigkeit gegenüber
SchülerInnen nicht-deutscher Herkunft ein. Sie fordert deshalb die
Anerkennung der Muttersprache der SchülerInnen als 1. Fremdsprache.