Weniger Unterrichtsausfall an Berufsschulen darf nicht zu weniger Unterrichtsqualität führen!
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, begrüßt grundsätzlich die Bemühungen des Bildungsministeriums zur Reduzierung des Unterrichtsausfalls an beruflichen Schulen im Saarland.
Wir machen aber darauf aufmerksam, dass dies nicht auf Kosten der Unterrichtsqualität gehen darf. Für das Schuljahr 2011/12 muss die GEW leider feststellen, dass an vielen Schulstandorten von den Schulen geplante Klassen auf Anweisung des Ministeriums zu größeren Klassen zusammengelegt wurden. Angesichts der Tatsache, dass in der Berufsausbildung Schüler/innen mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen zusammen kommen, sind Klassenstärken mit 30 Schüler/innen eine drastische Verschlechterung der Lernbedingungen und damit ein Qualitätsverlust.
„Es geht nicht nur um die Abdeckung des statistisch erfassten strukturellen Unterrichtsausfalls, sondern angesichts eines drohenden Facharbeitermangels um die Förderung aller Jugendlichen. Die berufsbildenden Schulen sind die einzige Schulform, die nicht einmal im Ansatz eine Lehrerreserve (Lehrerfeuerwehr) haben, um z.B. den krankheitsbedingten Unterrichtsausfall ohne Mehrarbeit der Kolleginnen und Kollegen abzudecken. Neben dem Abbau vorhandener Fehlstunden ist auch die Modernisierung des beruflichen Schulwesens sicher zu stellen. Die Steigerung der Attraktivität der dualen Ausbildung durch die Umsetzung einer echten Gleichwertigkeit beruflicher und allgemeiner Bildung ist längst überfällig”, so Klaus Graus, Vorsitzender der Fachgruppe berufliche Schulen der GEW. „Beispielhaft zu erwähnen ist hier die Forderung nach Fremdsprachenunterricht in der Teilzeitberufsschule, der erst im Ansatz verwirklicht wird.“ Peter Balnis, GEW Landesvorsitzender, ergänzt: „Um die Versäumnisse der Vergangenheit zu überwinden muss jetzt gehandelt werden. Nur eine attraktive Berufsausbildung mit Durchlässigkeit bis hin zum Hochschulstudium ist in der Lage, einem Fachkräftemangel nachhaltig entgegen zu wirken.“
Es besteht nach Auffassung der GEW Saarland kein Grund zur Entwarnung im Bereich der Unterrichtsversorgung an berufsbildenden Schulen im Saarland. Dass Planstellen zum Teil nicht besetzt sind liege an den wenig attraktiven Einstellungsbedingungen im Saarländischen Schuldienst. Insofern begrüßt die GEW die nachträglich Rücknahme der Eingangsbesoldungsabsenkung für den berufsbildenden Bereich. Erforderlich sei aber eine generelle Rücknahme für alle Schulformen.