Mit dem Scheitern der Jamaika-Koalition scheidet Klaus Kessler nach nur
zweijähriger Amtszeit als Bildungsminister aus der Landesregierung aus.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband
Saarland, bedauert die unwürdigen Umstände des Ausscheidens und zieht
eine durchwachsene Bilanz seiner Amtszeit.
„Es ist schon makaber, als Minister aus den Medien zu erfahren, dass die
Regierungskoalition aufgekündigt wird. Und es ist respektlos gegenüber
dem Amt, dass die Amtsgeschäfte nicht kommissarisch bis zum
Zustandekommen einer neuen Regierung fortgesetzt werden können,“ meint
GEW Landesvorsitzender Peter Balnis. Klaus Kessler habe sich mit großem
Engagement für bildungspolitische Ziele eingesetzt, die auch von der GEW
geteilt werden. „Jetzt hat sich gezeigt, welch enge Grenzen eine
Jamaika-Koalition für Bildungsreformen setzt und in welchen Fraktionen
die Politiker sitzen, auf die man sich nicht verlassen kann.“
Und weiter: „Die GEW hat die Amtszeit von Klaus Kessler kritisch und
konstruktiv begleitet. Wir haben Vorhaben unterstützt, die unseren
bildungspolitische Zielen entsprechen. Wir haben uns aber auch, wenn
nötig, mit Kritik nicht zurückgehalten.“
Die Gesamtbilanz der Amtszeit von Klaus Kessler sei durchwachsen. Peter
Balnis: „Es hat mehrere unakzeptable Weichenstellungen gegeben wie z.B.
die Abkopplung der Beamtenbesoldung von der Tarifentwicklung im
öffentlichen Dienst, die Abkehr vom Weg zu einer kostenfreien
frühkindlichen Bildung oder die Festschreibung eines zweisäuligen
Schulmodells in der Landesverfassung. Eine wahrnehmbare Entlastung des
pädagogischen Personals hat nicht stattgefunden. Andererseits hat Klaus
Kessler wichtige bildungspolitische Pflöcke gesetzt, an denen wir weiter
anknüpfen können. Dazu zählen erweiterte Möglichkeiten gemeinsamen
Lernens in der Verordnung zur Gemeinschaftsschule, die Schulversuche zur
Inklusion und zum Fördern statt Sitzenbleiben an Gymnasien, erste
Schritte zur Ausweitung gebundener Ganztagsschulen sowie der Ausbau von
Kita-Plätzen.“
Weiter: „Der größte Verdienst von Klaus Kessler ist sicherlich, dass es
in seiner Amtszeit trotz aller Begehrlichkeiten nicht zu einer Kürzung
des Bildungsetats gekommen ist. Die GEW wird sich gegenüber der neuen
Landesregierung dafür einsetzen, dass das so bleibt und dass nicht der
Rotstift im Bildungsbereich die politische Linie markiert.“
Die GEW wünscht Klaus Kessler alles Gute für seinen weiteren Weg. „Ich
wünsche mir, dass Klaus Kessler als kompetenter Bildungspolitiker
weiterhin für mehr Bildungsgerechtigkeit und bessere Arbeitsbedingungen
im Bildungswesen eintreten wird,“ so Peter Balnis abschließend.