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Pressemitteilung 09-2012

31.05.2012



GEW fordert Krippengipfel und Personalentwicklungskonzept

Die Bildungsgewerkschaft GEW, Landesverband Saarland, bezeichnet das 10-Punkte-Programm von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder als kurzfristige Effekthascherei und unterstützt die Forderung von Bildungsminister Ulrich Commerçon nach einem zweiten Krippengipfel.

Es deute sich an, dass die vorgesehen Quote von 35% bis 2013 nicht erreicht wird, und es deute sich weiterhin an, dass diese Quote angesichts des wachsenden Bedarfes bei weitem nicht ausreicht, um den Rechtsanspruch umzusetzen. GEW-Landesvorsitzender Peter Balnis: „Nach jahrelangen Versäumnissen geht auf einmal die Angst vor Elternklagen um, weil es schwierig wird, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz einzulösen. Es besteht jetzt die Gefahr, dass bei der Qualität gespart wird und die noch fehlenden Plätze überwiegend durch Tagespflegeplätze (d.h. Tagesmütter) bereitgestellt werden. Das ist die falsche Richtung. Gerade Kinder unter 3 Jahren brauchen gut ausgebildete ErzieherInnen.“

Es zeige sich außerdem, dass es ein Konstruktionsfehler ist, zwar Bundesmittel für den Bau von Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, aber die Kommunen mit der Finanzierung des Personals alleine zu lassen. Deshalb sei ein Krippengipfel sinnvoll, um die Finanzierung zwischen Bund, Ländern und Kommunen neu abzustimmen. Peter Balnis: „Die zwei Milliarden Euro, die das unsinnige Betreuungsgeld jährlich verschlingen wird, müssen in den weiteren Ausbau und die Qualität von Kindertagesstätten investiert werden.“

„Ein entscheidendes Problem ist der Fachkräftemangel im Bereich der frühkindlichen Bildung, so Peter Balnis. „Jahrelang haben Politik und Arbeitgeber sich dagegen gesträubt, den Erzieherberuf attraktiver zu machen. Die Gehälter entsprechen bei Weitem nicht den Anforderungen und der langen Ausbildungszeit. Junge Frauen und Männer schrecken auch deshalb vor dem Beruf zurück, weil ihnen zumeist nur befristete Teilzeitstellen angeboten werden. Hier muss sich dringend etwas ändern; aber genau da geht das 10-Punkte-Programm in eine falsche Richtung. Anstatt mehr qualifizierte Fachkräfte auszubilden werden Anreize zur Beschäftigung von gering qualifizierten geboten.“

Die Landesregierung habe zwar den Fachkräftemangel als entscheidendes Problem erkannt. „Aber im Koalitionsvertrag deutet nichts darauf hin, dass sie schon ein schlüssiges Konzept zur Fachkräfteentwicklung in der frühkindlichen Bildung hat. Im Laufe dieser Legislaturperiode müssen da weitere Schritte erfolgen. Es muss geklärt werden, ob die Ausbildung von Kinderpflegerinnen nicht überholt ist, wie es gelingen kann, mehr Fachkräfte mit Hochschulabschluss in die frühkindliche Bildung zu bekommen und welche Rolle der Studiengang Pädagogik der Kindheit an der HTW dabei spielen kann,“ so Peter Balnis.

Das Zehn-Punkte-Programm von Kristina Schröder verschärfe die Probleme der frühkindlichen Bildung statt sie zu lösen. „Eine überkommene Familienideologie beeinträchtigt bei ihr offenbar die Wahrnehmung der Bedürfnisse junger Eltern und stellt Weichen in die falsche Richtung.“


 
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