GEW fordert Krippengipfel und Personalentwicklungskonzept
Die Bildungsgewerkschaft GEW, Landesverband Saarland, bezeichnet das
10-Punkte-Programm von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder als
kurzfristige Effekthascherei und unterstützt die Forderung von
Bildungsminister Ulrich Commerçon nach einem zweiten Krippengipfel.
Es deute sich an, dass die vorgesehen Quote von 35% bis 2013 nicht
erreicht wird, und es deute sich weiterhin an, dass diese Quote
angesichts des wachsenden Bedarfes bei weitem nicht ausreicht, um den
Rechtsanspruch umzusetzen. GEW-Landesvorsitzender Peter Balnis: „Nach
jahrelangen Versäumnissen geht auf einmal die Angst vor Elternklagen um,
weil es schwierig wird, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz
einzulösen. Es besteht jetzt die Gefahr, dass bei der Qualität gespart
wird und die noch fehlenden Plätze überwiegend durch Tagespflegeplätze
(d.h. Tagesmütter) bereitgestellt werden. Das ist die falsche Richtung.
Gerade Kinder unter 3 Jahren brauchen gut ausgebildete ErzieherInnen.“
Es zeige sich außerdem, dass es ein Konstruktionsfehler ist, zwar
Bundesmittel für den Bau von Einrichtungen zur Verfügung zu stellen,
aber die Kommunen mit der Finanzierung des Personals alleine zu lassen.
Deshalb sei ein Krippengipfel sinnvoll, um die Finanzierung zwischen
Bund, Ländern und Kommunen neu abzustimmen. Peter Balnis: „Die zwei
Milliarden Euro, die das unsinnige Betreuungsgeld jährlich verschlingen
wird, müssen in den weiteren Ausbau und die Qualität von
Kindertagesstätten investiert werden.“
„Ein entscheidendes Problem ist der Fachkräftemangel im Bereich der
frühkindlichen Bildung, so Peter Balnis. „Jahrelang haben Politik und
Arbeitgeber sich dagegen gesträubt, den Erzieherberuf attraktiver zu
machen. Die Gehälter entsprechen bei Weitem nicht den Anforderungen und
der langen Ausbildungszeit. Junge Frauen und Männer schrecken auch
deshalb vor dem Beruf zurück, weil ihnen zumeist nur befristete
Teilzeitstellen angeboten werden. Hier muss sich dringend etwas ändern;
aber genau da geht das 10-Punkte-Programm in eine falsche Richtung.
Anstatt mehr qualifizierte Fachkräfte auszubilden werden Anreize zur
Beschäftigung von gering qualifizierten geboten.“
Die Landesregierung habe zwar den Fachkräftemangel als entscheidendes
Problem erkannt. „Aber im Koalitionsvertrag deutet nichts darauf hin,
dass sie schon ein schlüssiges Konzept zur Fachkräfteentwicklung in der
frühkindlichen Bildung hat. Im Laufe dieser Legislaturperiode müssen da
weitere Schritte erfolgen. Es muss geklärt werden, ob die Ausbildung von
Kinderpflegerinnen nicht überholt ist, wie es gelingen kann, mehr
Fachkräfte mit Hochschulabschluss in die frühkindliche Bildung zu
bekommen und welche Rolle der Studiengang Pädagogik der Kindheit an der
HTW dabei spielen kann,“ so Peter Balnis.
Das Zehn-Punkte-Programm von Kristina Schröder verschärfe die Probleme
der frühkindlichen Bildung statt sie zu lösen. „Eine überkommene
Familienideologie beeinträchtigt bei ihr offenbar die Wahrnehmung der
Bedürfnisse junger Eltern und stellt Weichen in die falsche Richtung.“