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Pressemitteilung 24-2009 |
09.07.2009 |
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GEW kritisiert Einstellungspolitik der
Landesregierung
Trotz Lehrermangels - schlechte Stellenangebote im Saarland
Zum Ablauf des Schuljahres
2008/09 stellt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW),
Landesverband Saarland fest, dass der Lehrermangel im Bereich der
weiterführenden Schulen deutlich zugenommen hat, insbesondere in den
mathematisch-naturwissenschaftlichen und musischen Fächern. Dies macht
sich allein schon dadurch bemerkbar, dass an den allgemein bildenden und
beruflichen Schulen des Landes die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber
um eine Stelle im saarländischen Schuldienst deutlich rückläufig ist.
Dies gilt insbesondere für das Gymnasium. Während in den vergangenen
Jahren noch über 200 Bewerbungen vorlagen, ist die Zahl in diesem Jahr
um etwa ein Drittel auf nur 125 Bewerberinnen und Bewerber gesunken.
Für den Bereich der Mangelfächer Mathematik, Physik, Chemie, Biologie,
Musik und Arbeitslehre gibt es nach wie vor zu wenige qualifizierte
Bewerbungen, sodass hier durch eine zusätzliche Qualifizierungsmaßnahme
sog. „Seiteneinsteiger“ als Diplomabsolventen für ein Lehramt
ausgebildet werden müssen. Für die Schulformen Gymnasium, Erweiterte
Realschule und Gesamtschule sind dies für das kommende Schuljahr 20
Personen. Ansonsten werden den Schulen auch Lehrkräfte zugewiesen, die
sie von der Fächerkombination her eigentlich weniger gebrauchen können.
Den Lehrern wird dann auch zugemutet, ein Mangel- bzw. Bedarfsfach
fachfremd zu unterrichten.
Nach dem Motto „Hauptsache es steht ein Lehrer/in vor der Klasse“
erfolgt zunehmend eine Patchwork-Personalisierung, wobei die
qualitätsvolle Unterrichtsversorgung zurücktritt und die Belastung der
Kolleginnen und Kollegen zunimmt.
Massiv kritisiert die GEW die Zunahme von unsozialen befristeten
Verträgen, eine Tendenz, die die Landesregierung in den letzten Jahren
noch verstärkt hat. Der Anteil der nur befristet eingestellten
Lehrkräfte ist seit dem Schuljahr 2005/06 von 30 % auf rund 45 % im
Schuljahr 2009/10 gestiegen. Das heißt, fast jeder 2. Lehramtsbewerber
bekommt im Saarland keine feste Stelle – am stärksten betroffen davon
sind die Grundschullehrkräfte.
Keinen Lehrermangel gibt es für den Bereich der Grundschulen, in dem
durch die Grundschulschließungen auch weiterhin weniger Personal
gebraucht wird, dadurch dass größere Klassen gebildet werden müssen. Von
etwa 220 Bewerberinnen und Bewerbern erhalten lediglich 80 eine
unbefristete Stelle. Die anderen Grundschullehrkräfte, das sind fast
zwei Drittel der Bewerbungen, müssen sich mit befristeten Verträgen
begnügen, oder sie wandern in andere Bundesländern ab.
Die GEW kritisiert die Einstellungspolitik der Landesregierung und
bezeichnet diese als „konzeptionslose Flickschusterei“.
GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler: „Die Landesregierung hat kein
Lehrerpersonalkonzept, das wir seit Jahren fordern. Dass aber angesichts
der Mangelsituation auch zunehmend noch befristete Stellenangebote
gemacht werden, ist im Grunde ein Skandal. Wer im Saarland eine feste
Stelle haben will, muss sich einiges gefallen lassen, angefangen von
vereinzelten unverschämten Bemerkungen der Sachbearbeiter im
Kultusministerium, bis zum Versuch, die Bezahlung im Rahmen der
Einstufung des TV-L zu drücken. Ganz offiziell hat die saarländische
Landesregierung sogar beschlossen, die Eingangsbesoldung der
Realschullehrer um 300,- Euro abzusenken – ausgenommen in Mangelfächern
– und diese im Saarland deutlich schlechter zu bezahlen als in anderen
Bundesländern, das ist der Gipfel in einer Zeit absoluten
Lehrermangels!“
Die GEW kritisiert im Einzelnen an den verschiedenen Schulformen:
1. Grundschulen
Nur ein Drittel der Bewerberinnen und Bewerber für den
Grundschulbereich bekommt eine feste Stelle, alle anderen Bewerber
müssen sich mit schlecht bezahlten und unsozialen befristeten Verträgen
zufrieden geben. Die Bezahlung dieser Lehrkräfte ist zum Teil so
schlecht, dass sie kaum von dem Gehalt leben können, obwohl sie bei
voller Stelle die gleiche Arbeit machen wie die verbeamteten Kolleginnen
und Kollegen. Besonders prekär ist diese Situation für Lehrkräfte, die
nicht mit voller Stundenzahl, sondern unfreiwillig auf Teilzeit
eingestellt werden.
2. Erweiterte Realschule:
Auch hier werden von 60 Neueinstellungen nur rund die Hälfte auf
Beamtenplanstellen unbefristet eingestellt, der Rest muss sich ebenfalls
mit befristeten Verträgen bei schlechter Bezahlung zufrieden geben.
Hinzu kommt, dass alle Einstellungen im Bereich der Erweiterten
Realschulen – auch die in Mangelfächern – als mobile Lehrerreserve, das
heißt als Lehrerfeuerwehr vorgenommen werden, was zur Konsequenz hat,
dass diese Lehrer 2 Jahre lang vertraglich verpflichtet sind, als
Springer und Vertretungslehrer zur Verfügung zu stehen und auch in Kauf
nehmen müssen, anderen Schule „ausgeliehen“ zu werden. Diese Lehrerinnen
und Lehrer sind gegenüber diejenigen an anderen Schulformen deutlich
benachteiligt. Außerdem fehlen Lehrer/innen mit gymnasialer
Lehrbefähigung zum Einsatz in den Abiturkursen der Klassen 9 und 10.
3. Gesamtschule:
Ähnlich wie an den Erweiterten Realschulen herrscht hier ein
erheblicher Fachlehrermangel im Bereich der
mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer, der dazu führt, dass der
Anteil des fachfremd zu erteilenden Unterrichtes an den Schulen
zunehmend wächst und die Belastung der Kolleginnen und Kollegen dadurch
zunimmt. Um kurzfristige Lücken zu schließen, ist es unbedingt
erforderlich, die Planstellen im Bereich des Seiteneinsteigerprogramms
für qualifizierte Diplomabsolventen auszuweiten und über diesen Weg mehr
Fachlehrer im Bereich der Mangelfächer auszubilden. Aber auch hier gilt,
dass qualifizierte Diplomabsolventen nur für das
Seiteneinsteigerprogramm zu gewinnen sind, wenn eine angemessene
Bezahlung gewährt wird. Hier fordert die GEW, dass die im Tarifvertrag
der Länder vorgesehenen Spielräume für eine bessere Bezahlung zur
„Deckung des Personalbedarfs“ voll ausgeschöpft werden.
4. Gymnasium:
Nach vollständigem Ausbau des G8-Gymnasiums kommt es zum ersten Mal
zu einem Rückgang der Einstellungszahlen an dieser Schulform. Das heißt,
ab dem Schuljahr 2009/2010 wirkt das G8 als Personalsparmaßnahme.
Während in den Vorjahren noch rund 80 bis 90 Bewerber/innen eine
unbefristete Stelle am Gymnasium bekamen, wird es zum kommenden
Schuljahr nur noch etwa 40 Neueinstellungen geben. Das bedeutet, dass
von den 125 Bewerberinnen und Bewerber am Gymnasium nur knapp ein
Drittel eine unbefristete Stelle im Saarland bekommen, die anderen
müssen sich wiederum mit befristeten Stellen begnügen, oder sie wandern
in andere Bundesländer ab.
Insgesamt hat die Belastung am Gymnasium nicht nur durch das G 8
zugenommen, sondern auch durch die Reform der gymnasialen Oberstufe.
Durch die neue GOS (Gymnasiale Oberstufe Saar) gibt es weniger
Kurswahlmöglichkeiten für die Schüler/innen, was dazu führt, dass die
durchschnittliche Kursgröße in der Oberstufe erhöht wird – im Grunde
auch eine Sparmaßnahme der Landesregierung
5. Berufliche Schulen:
Obwohl bis zu 50 Personen unbefristet neu eingestellt werden,
herrscht weiterhin Lehrermangel, insbesondere in den Fächern
Metalltechnik, Gesundheit und Ernährung, sowie mittlerweile auch in
Deutsch und Englisch. Das heißt, es fallen nach wie vor viele Stunden
aus und der Unterricht kann nicht nach Stundentafel abgedeckt werden.
Damit besonders in den Prüfungsfächern möglichst kein zusätzlicher
Unterricht ausfällt (auch nicht bei Erkrankung) werden eine inzwischen
große Zahl von Kollegen/innen mit Mehrarbeit beauftragt, die an die
Grenzen der Belastbarkeit geht bzw. diese übersteigt.
Fazit:
Die GEW rechnet insgesamt mit etwa 300 unbefristeten
Neueinstellungen. Bezogen auf rund 400 Ruhestandsversetzungen ist das
viel zu wenig. Probleme bereitet auch die sogenannte „Lehrerfeuerwehr“,
die als mobile Lehrerreserve Unterrichtsausfall verhindern soll. Diese
ist entweder unterdimensioniert oder funktioniert überhaupt nicht. Die
GEW befürchtet, dass es deshalb spätestens im Herbst (Krankheitswelle)
an vielen Schulen zu Unterrichtsausfall bzw. zu Zusammenlegung von
Klassen und Kursen kommen wird.
Durch schlechte Stellenangebote, unzureichende Bezahlung und
unprofessionelles Personalmanagement wird die Unterrichtsversorgung mit
qualifiziertem Lehrpersonal im Saarland perspektivisch schlechter.
Dadurch steigt die Belastung in den bestehenden Kollegien, und die
Qualität der Lehr- und Lernbedingungen wird gemindert.
Zur Verbesserung der Situation fordert die GEW:
-
die Erstellung eines
Lehrerpersonalkonzeptes, das eine ausge-wogene, gerechte und
qualitätsvolle Versorgung aller Schulen mit Fachlehrern in den
nächsten 10 Jahren sicherstellt,
-
eine
Einstellungsgarantie für alle Lehramtsstudierenden mit zweiter
Lehramtsprüfung im Saarland, die mindestens die Note „befriedigend“
erreicht haben,
-
Neueinstellungen in
der Regel als unbefristete Einstellungen, auf vollen
Beamtenplanstellen in den Besoldungsgruppen A12 und A13 oder – wenn
die beamtenrechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllt werden – als
angestellte Lehrkräfte gemäß der Eingruppierung in den TV-L in die
Entgeltgruppen E11 und E13. Dabei soll eine Mindeststufenzuordnung
bei der Ersteinstufung in die Stufe 3 erfolgen,
-
ein grundsätzlicher
Verzicht auf eine Absenkung der Eingangs-besoldung für neu
einzustellende Realschullehrkräfte,
-
eine großzügige
Handhabung der Stufenzuordnung zur Deckung des Personalbedarfs in
Mangelfächern, insbesondere für Seiteneinsteiger,
-
ein funktionierendes
System der „Lehrerfeuerwehr“ als mobile Lehrerreserve für alle
Schulformen,
-
die Erhöhung der
Kapazitäten der Ausbildungsplätze für die Lehramtsanwärter/innen in
den Studienseminaren, um eine größere Anzahl an Lehrernachwuchs
perspektivisch im Saarland zur Verfügung zu haben,
-
eine Erhöhung der
Anwärterbezüge, um den Lehrerberuf auch in der Ausbildungsphase
attraktiver zu machen,
-
die Einrichtung einer
zentralen Beratungs- und Dienstleistungsstelle im Kultusministerium
für Lehrkräfte aller Schulformen, die sich für eine Einstellung in
den Schuldienst des Saarlandes interessieren.
-
einen früheren Beginn
der Personalisierung im Jahresverlauf durch die Kultusbehörde:
anstatt erst kurz vor Schuljahresschluss die
Einstellungsentscheidung zu treffen, sollte dies bereits zwei Monate
früher erfolgen.

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