Antragsteller: GV
 

Betrifft: Entschließung zur: Weiterentwicklung von
Tageseinrichtungen für Kinder



Seit August 2004 gibt es auch im Saarland ein ausgearbeitetes Bildungsprogramm für Kindertageseinrichtungen. Die GEW Saarland sieht darin einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung und stimmt im Wesentlichen mit den dort gesetzten inhaltlichen Schwerpunkten überein. Es kommt jetzt darauf an, auf der Grundlage dieses Programms Weichen dafür zu stellen, dass die frühkindliche Pädagogik einen entschieden höheren Stellenwert im Bildungswesen bekommt.

Die GEW betrachtet frühkindlicher Bildung im Alter von 0 bis 6 Jahren als gesellschaftliche Aufgabe und als ersten Baustein des Bildungswesens. Sie ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess und darf nicht auf das letzte Jahr vor Schuleintritt reduziert werden. Es muss sichergestellt werden, dass alle Kinder die Kita mindestens drei Jahre besuchen können.

Obwohl es einen Rechtsanspruch auf den Besuch des Kindergartens gibt, nehmen nicht alle dieses Recht war. Durch aktive Werbung und Beratung der Eltern sowie die Qualifizierung des Angebotes muss erreicht werden, dass alle Kinder vom Bildungsangebot der Kindertageseinrichtungen profitieren können. Dazu fordern wir folgende Maßnahmen:
 

  • Ausbau der Plätze für unter 3jährige auf mindestens 30 % bis 2008;
     

  • Kostenfreiheit für frühkindliche Bildung entsprechend den Wahlkampfversprechungen des Jahres 1999;
     

  • Ausbau von Ganztagsplätzen. Auf keinen Fall darf es dazu kommen, dass bestehende Horte aufgelöst werden, weil Schulen ein ungewisses Nachmittagsangebot versprechen;
     

  • Ausbau von Elternangeboten an Kindertageseinrichtungen und Schaffung eines Netzwerkes von Elternberatungen und Familienhilfen;
     

  • Anreizsysteme für Migrantenfamilien, um einen möglichst frühzeitigen Kita Besuch zu erreichen. (Berücksichtigung der Migrationsgeschichte und des kulturellen Hintergrundes, Partizipationsmöglichkeiten für Migranteneltern, kulturelle Vielfalt als Einrichtungsprofil, Erzieherinnen mit Migrationshintergrund usw.).
     

Die Entwicklung von Sprach- und Kommunikationsfähigkeit ist eine der zentralen Aufgaben von Kindertageseinrichtungen. Von besonderer Bedeutung ist die Kommunikationsfähigkeit in der deutschen Sprache. Sie gilt es gezielt zu fördern – nicht nur bei Kindern mit Migrationshintergrund. Dazu reichen Sprachstandsfeststellungen und Vorkurse unmittelbar vor Beginn der Schulzeit nicht aus. Auch die Sprachförderung ist ein kontinuierlicher Prozess, der möglichst früh auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Sprachentwicklung begonnen werden muss.

Die Gestaltung des Übergangs zur Schule ist eine wichtige Aufgabe der Kindertageseinrichtungen. Die GEW Saarland ermuntert die beteiligten Bildungseinrichtungen, im Rahmen ihrer Programmentwicklung ein Profil „veränderter Schulanfang“ zu gestalten und fordert vom Bildungsministerium die Einrichtung entsprechender Modellversuche. Zentrales Anliegen ist dabei, Kindern zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr einen flexiblen, angstfreien und erfolgreichen Übergang vom Kindergarten in die Grundschule zu ermöglichen. Nicht eine wie auch immer definierte Schulfähigkeit der Kinder soll ausschlaggebend für den Schuleintritt sein, sondern die Fähigkeit der Schulen, sich auf die ganz unterschiedlichen Kinder einzustellen. Schulmodelle mit jahrgangsübergreifenden Klassen sollen weiter entwickelt werden. In solchen Modellen sind auch gleitende Übergänge möglich, in denen Kinder eine Anzahl von Stunden pro Woche in der Schule verbringen, aber noch Kindergartenkinder sind. In der flexiblen Schuleingangsphase müssen schul-, sozial- und sonderpädagogische Kompetenzen im Team vertreten sein.

Für die Qualifizierung der pädagogischen Arbeit im Elementarbereich brauchen ErzieherInnen ein fundiertes wissenschaftliches Rüstzeug. Die GEW Saarland setzt sich deshalb für die Anhebung der ErzieherInnenausbildung auf Fachhochschulniveau ein. Sie fordert die Einrichtung eines Studiengangs „frühkindliche Pädagogik“ an der Hochschule für soziale Arbeit und berufsbegleitende Fortbildungsangebote für ErzieherInnen, die einem Fachhochschulstudium gleichkommen und zu entsprechenden Abschlüssen führen. Diese neue Aufgabe der Hochschule für soziale Arbeit kann auch einen Beitrag zur Sicherung ihres Standortes im Saarland leisten.

Tageseinrichtungen für Kinder können ihre Bildungsaufgaben nur dann weiter qualifizieren, wenn sie dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen haben. Dazu gehört eine Gruppengröße von 15 Kinder, für die in der Kernzeit 3 Erzieherinnen zur Verfügung stehen, sowie eine Bemessung der Arbeitszeit, bei der zwei Drittel der Zeit für die Arbeit mit Kindern und ein Drittel für Vor- und Nachbereitung, Teambesprechungen und Elternkontakte bestimmt sind.

 

Begründung:

Bei Bedarf mündlich.