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Der Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft wird aufgefordert, den Qualitätsentwicklungsprozess in saarländischen Schulen in der Zielrichtung auf ein chancengleiches und demokratisches Schulwesen voranzutreiben. Der Minister hat Sorge dafür zu tragen,
dass Schulen ausreichend Ressourcen zu Verfügung gestellt werden. Begründung: Pädagogische Qualität ist nicht nur an den Ergebnissen zu erkennen, sondern vor allem auch an den Fortschritten, die erreicht werden. Gute Ergebnisse und große Fortschritte sind dann zu erzielen, wenn auch die Qualität des Inputs (personelle und materielle Ressourcen) und des pädagogischen Prozesses (Schul- sowie Lehr-/Lernkultur) stimmt. Qualitätskontrollen und Standardsicherung sind nur sinnvoll und seriös durchführbar, wenn Zielklarheit und Einvernehmen über zu ziehende Schlussfolgerungen besteht. Die zu ziehenden Schlussfolgerungen müssen sich an den Zielen eines chancengleichen und demokratischen Schulwesens orientieren. Das bedeutet: Es muss ein umfassendes System von vertiefender Ursachenforschung und von Unterstützungsmaßnahmen geben, um überall im Saarland an allen Schulen eine möglichst gleichmäßig hohe Qualität zu erreichen. Für alle Qualitätsprozesse müssen ausreichend personelle und materielle Ressourcen zur Verfügung stehen. Qualitätsentwicklung kann nicht „nebenher“ geleistet werden, sonst bleibt sie zufällig und Stückwerk. Entschieden wendet sich die GEW gegen die Versuche des Ministeriums, durch Schulschließungen Mittel für den Aufbau einer Qualitätsagentur umzuschichten. Diese Umschichtung zugunsten der Kontrolle
der Ergebnisse -statt in die Prozessqualität zu investieren- steht im
Widerspruch zu allen Erkenntnissen der Qualitätsentwicklung. Die GEW, Landesverband Saarland, fordert für die Qualitätsentwicklung in Schulen:
Qualitätsentwicklung als Prozess Qualitätsentwicklung wird oft gleich
gesetzt mit „Outputorientierter Steuerung“, d.h. das Gesamtsystem Schule bzw.
vor allem die Einzelschulen werden nur noch über ihre Ergebnisse gesteuert.
Damit sind verschiedene Risiken verbunden: Die Ökonomisierung von Bildung, damit
einhergehend ein verengter Bildungsbegriff auf unmittelbar wirtschaftlich
verwertbare Kompetenzen sowie pädagogische Verarmung („teaching to the test“).
Umfassende Bildung als individuelles Menschenrecht und ihre Bedeutung für die
demokratische Entwicklung der Gesellschaft müssen demgegenüber im
gesellschaftlichen Diskurs immer wieder behauptet und verteidigt werden. Sie
sind letztlich auch für die ökonomische Entwicklung von zentraler Bedeutung. Qualitätsentwicklung an der Einzelschule Maßnahmen der Qualitäts- und Standardsicherung sowie der internen und externen Evaluation müssen in Übereinstimmung mit den Zielen der pädagogischen und demokratischen Schulentwicklung und eines schüler-, handlungs- und problemorientierten Unterrichts stehen. Zentrale Abschlussprüfungen und standardisierte Schulleistungstests zur Schülerbewertung können diese Anforderungen nur erfüllen, wenn die Aufgabenstellungen keine den Unterricht gängelnden Wirkungen entfalten, sondern Raum lassen für den Erwerb umfassender Bildung. Die Verbesserung der Unterrichtsqualität ist auch abhängig von Faktoren, die von der einzelnen Lehrkraft nicht zu beeinflussen sind (z. B. Klassenstärke, soziale Zusammensetzung der Lerngruppe). Die gesamte Schulgemeinde soll die Schul- und Qualitätsentwicklung tragen. Besondere Bedeutung kommt der aktiven
Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern zu. Die GEW misst der
internen Evaluation zentrale Bedeutung zu. Weitere sinnvolle Qualitätsinstrumente und -maßnahmen der selbst gesteuerten internen und externen Evaluation können sein:
Schulbehörden und Schulaufsicht tragen die Verantwortung für ein chancengleiches, demokratisches Schulwesen als Gesamtsystem. Sie steuern über Standardsetzung und
-überprüfung, Ressourcenzuweisung und die Bereitstellung ausreichender
Unterstützungssysteme. Letztere umfassen vor allem Maßnahmen der Fort- und
Weiterbildung, der schulpsychologischen und medizinischen Dienste sowie der
Unterstützung der pädagogischen Schul- und Qualitätsentwicklung. |