Landesauschuss 16. November 2004
Resolution zu Grundschulschließungen

Kinder sind keine Kostenstellen
 

Die saarländische Landesregierung beabsichtigt ab dem Schuljahr 2005/06 jede dritte von derzeit 269 Grundschulen (Meldung der SZ vom 09.11.2004) zu schließen. Dies bedeutet, dass rund 90 Grundschulstandorte zur Disposition stehen. Begründet wird dies mit der prekären Haushaltslage (Einsparungen in Höhe von 130 Million Euro) des Landes und dem „drastischen Schülerrückgang“ im Saarland.

Die vorgesehene „Neuordnung im Grundschulbereich“ soll zu „dauerhaft leistungsfähigen Schuleinheiten“ führen, das heißt Grundschulen müssen zukünftig mindestens zweizügig sein, um einen Bestand zu haben.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, kritisiert die Schulschließungspläne der Landesregierung und warnt vor einem Kahlschlag in der Grundschullandschaft auf Kosten der Bildungsqualität.

Im Einzelnen kritisiert die GEW:

1.   Durch das Vorgehen der Landesregierung sind die Wählerinnen und Wähler getäuscht worden. Bereits vor der Landtagswahl war die Haushaltsnotlage bekannt. Erst nach der Wahl werden schrittweise Informationen über die Schulschließungspläne öffentlich gemacht, die noch vor der Wahl bestritten worden sind. In einer Pressemitteilung aus dem MBKW vom 31.08.2004 heißt es: „Schülerrückgang: SPD, Grüne und GEW verängstigen Eltern – Kultusminister: Gerade Rot/Grüne Reformpläne würden zu Schulschließungen führen: Kultusminister Jürgen Schreier wirft SPD, Grünen und GEW vor, die Eltern im Saarland bewusst zu verunsichern, indem sie Angst vor Schulschließungen verbreiten. Konkrete Schulschließungspläne lägen im Gegensatz zu Falschbehauptungen von SPD, Grünen und GEW aber nicht vor, sagte der Minister“.

2.   Die Schulschließungen sind reine Sparmaßnahmen im Bildungsbereich. Sie führen zu größeren Klassen – bereits vor 2 Jahren ist in Vorbereitung der Schulschließungsmaßnahmen der Klassenteiler an den Grundschulen von 27 auf 29 erhöht worden – und zu längeren Schulwegen. Die Landesregierung verabschiedet sich im „Land der kurzen Wege“ im Schulbereich vom pädagogischen Prinzip der Grundschule: „kurze Beine – kurze Wege“.

3.   Durch die Zusammenlegung von Klassen und die Bildung größerer Lerngruppen werden die Möglichkeiten einer individuellen Lernförderung verschlechtert. Dies bedeutet neben einem Qualitätsverlust auch eine Verschlechterung der Chancen zum Besuch einer weiter führenden Schule nach dem 4. Schuljahr. Besonders betroffen hiervon sind Migrantenkinder, langsamer lernende Kinder und Kinder aus so genannten bildungsfernen Schichten. 

4.   Der eigentliche Spareffekt der Schulschließungen besteht infolge von Klassenzusammenlegungen – neben einer Einsparung von Rektorenstellen – in einem Rückgang des Lehrerbedarfes an den Grundschulen. Es ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Neueinstellungen im Schuljahr 2005/06 im Grundschulbereich drastisch zurückgeht und angehende Grundschullehrkräfte im Saarland keine berufliche Perspektive mehr haben. Infolge dieses prognostizierten Rückgangs von Lehrerneueinstellungen an den Grundschulen wird sich dort auch wieder das Lehrerdurchschnittsalter negativ verändern.

Die GEW lehnt Grundschulschließungen nach der Rasenmähermethode, d.h. rein schematisch nach Klassenzahlen, ab. Vor einer Schulschließung müssen zuerst Überlegungen angestellt werden, einen Schulstandort zu erhalten.

Die GEW fordert Kultusminister Jürgen Schreier dazu auf, vor Schließungsbeschlüssen Standorterhaltungsmaßnahmen zu prüfen.

Im Einzelnen fordert die GEW:

·     die Absenkung des Klassenteilers von derzeit 29 auf 25 Schüler/innen,

·     die verstärkte Einrichtung von jahrgangsübergreifenden Klassen (Kombiklassen) in den Jahrgängen 1 und 2 sowie 3 und 4,

·     die Berücksichtigung räumlich/baulicher, infrastruktureller und siedlungsstruktureller Gesichtpunkte (Entfernung zur nächsten Schule, vorhandene Schulgebäude, Fahrwege, Transportmöglichkeiten, Schulwegsicherheit, Aufsicht, usw.),

·     die Berücksichtigung kultureller und Gemeinde-Standort-bezogener Aspekte (Schule als Standortfaktor und kulturelles Zentrum),

·     eine langfristige Standortplanung (20 Jahre), die neben dem aktuellen Schülerrückgang auch wieder einen Schülerzahlenanstieg infolge geburtenstarker Jahrgänge berücksichtigt,

·     die Beteiligung aller Betroffenen vor Ort und in der Schulregion (Schulträger, Lehrer, Eltern),

·     den Einbezug und die frühzeitige Information der zuständigen Elternvertretungen, Personalräte sowie der Gewerkschaften und Verbände.

 

Bildstock, den 16. November 2004