GEW: Neue Verordnung zur
Klassen- und Kursbildung an Schulen ist
Etikettenschwindel
Klaus Kessler: „Ab Klassenstufe 6 wieder Klassen mit 30 bis 33 Kindern“
Nach der Veröffentlichung der neuen Verordnung über die
Klassen- und Kursbildung an Schulen im Amtsblatt des Saarlandes mit
Datum vom 17. April 2008 sieht sich die Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, in ihrer Kritik an der
Neuregelung der Klassengrößen im Saarland bestätigt. Die Verordnung
sieht vor, dass für Gesamtschulen, Gymnasien und Erweiterte
Realschulen nur in der Klassenstufe 5 die Höchstzahl von 29
Schülerinnen und Schülern gilt, ab den Klassenstufen 6 bis 10 soll
es wie bisher bei den alten Klassengrößen von 30 bzw. 33
Schülerinnen und Schüler pro Klasse bleiben.
Verordnung über die Festlegung der Werte für die Klassen- und
Kursbildung, siehe Amtsblatt Nr.15, 17. April 2008:
Klassenstufe 5
Klassenstufe 6 – 9/10
Gesamtschule/
Erweiterte Realschule
29 (30*)
30/33 (30/33)
Gymnasium
29 (33)
33 (33)
* bisherige Zahlen
Für die GEW bedeutet dies keine wesentliche Verbesserung der Lehr-
und Lernbedingungen an den weiterführenden Schulen des Saarlandes,
obwohl diese im Bundesländervergleich die größten Klassen und die
schlechtesten Schüler-Lehrer-Relationen haben. GEW
Landesvorsitzender Klaus Kessler äußert dazu. „Die „Kleinere-Klassen-Garantie“
von Ministerpräsident Peter Müller ist im Grunde ein
Etikettenschwindel, wenn sie nur für die Klassenstufe 5 gilt und die
aufsteigenden Klassenstufen 6 – 10 nicht umfasst. Außerdem
berücksichtigt die Neuregelung überhaupt nicht, dass Wiederholer und
sog. Rückläufer aus höheren Jahrgängen die Klassen wieder vergrößern
können. Besonders benachteiligt sind die Gesamtschulen, die
angesichts der zahlreichen Schulabbrecher des G 8 übervolle Klassen
und Kurse haben.“
Aufgrund der aktuell vorliegenden Anmeldezahlen haben nach
Berechnungen der GEW die Erweiterten Realschulen eine
durchschnittliche Klassenstärke von 22 Schülerinnen und Schüler, die
Gymnasien eine durchschnittliche Klassenstärke von 26,3 Schülerinnen
und Schüler und die Gesamtschulen eine durchschnittliche
Klassenstärke von 27,5 Schülerinnen und Schüler.
Für die GEW heißt das, dass die Lehr- und Lernbedingungen an den
Gesamtschulen und an den Gymnasien des Saarlandes dringend
verbessert werden müssen. Dazu ist es erforderlich, die Absenkung
des Klassenteilers nicht nur in den Eingangsklassen vorzunehmen,
sondern auch den aufsteigenden Jahrgängen zugute kommen zu lassen.
Unter dem Gesichtspunkt der Gleichbehandlung der Schulformen ist es
aus Sicht der GEW auch nicht nachvollziehbar, wieso nur das
Schengen-Lyzeum in Perl eine Klassenmesszahl von nur 27 Schülerinnen
und Schüler vom Kultusministerium bewilligt bekommt.
Abschließend sagte Klaus Kessler dazu: „Pädagogisch sinnvoll ist
ohnehin eine maximale Klassengröße von 25 Schülerinnen und Schülern
für die weiterführenden Schulen. Leider haben die
bildungspolitischen Entscheidungen der Landesregierung nichts mit
Pädagogik zu tun.“