Institut der Deutschen
Wirtschaft (IW) bestätigt GEW-Kritik an der
Schulpolitik des Saarlandes
„Der bildungspolitische Fortschritt ist im Saarland eine Schnecke“
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW),
Landesverband Saarland, sieht sich erneut in ihrer Kritik an der
Schulpolitik des Saarlandes durch die jüngste Studie des Instituts
der Deutschen Wirtschaft (IW) zur Schulpolitik der Bundesländer
bestätigt. Als Ergebnis der Studie, die die Bereiche
„Bildungspolitische Ziele“, „Qualitätssicherung“,
„Systemmanagement“, „Schulkultur“ und „Lehren und Lernen“,
untersuchte, wurde festgestellt, dass sich das Saarland gemeinsam
mit Thüringen und Bremen auf dem letzten Platz befindet.
GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler äußert dazu: „Wieder einmal hat
die Schulpolitik der saarländischen Landesregierung eine Schlappe
erlitten. Die Studie belegt, dass seit Jahren im Saarland eine
falsche Weichenstellung in der Schulpolitik vorgenommen wurde und
keine der von der Landesregierung groß angekündigten Maßnahmen zu
einem nachhaltigen Erfolg geführt hat. Bezeichnenderweise ist es
diesmal das Institut der Deutschen Wirtschaft, das dem Saarland
schlechte Noten in der Schulpolitik gibt. Diesmal sind es nicht die
Schülerleistungen, die untersucht worden sind, sondern eher
bildungspolitische Aspekte und Schulmanagementfragen, in denen sich
das Saarland kaum verbessert hat. Der bildungspolitische Fortschritt
ist im Saarland eine Schnecke.“
Aus Sicht der GEW sind besonders drei Ergebnisse der Studie
hervorzuheben, wonach sich das Saarland dringend verbessern muss, um
überhaupt den Anschluss an andere Bundesländer zu schaffen:
Erstens, ist das Saarland besonders rückständig im Bereich der
verpflichtenden Ganztagsschulangebote, die dringend weiter ausgebaut
werden müssen
Zweitens, „fehlen im Saarland konkrete Regelungen zur Vermeidung des
Sitzenbleibens“. Hier fordert die Studie, dass die Schulen durch den
Gesetzgeber stärker aufgefordert werden müssen, die Versetzung im
Regelfall anzustreben und gefährdete Schüler besonders zu fördern.
Drittens, fordert die Studie eine Verbesserung der integrativen
sonderpädagogischen Förderung von behinderten Kindern in
Regelschulklassen. Hier wird kritisiert, dass es im Saarland dazu
nur eine unverbindliche Regelung gibt, anstatt eines verbindlichen
Anspruchs auf integrative Beschulung.
Die GEW stellt für alle drei Bereiche seit Jahren klare Forderungen
an die Landesregierung zur Verbesserung der Situation. Das Saarland
hat nach wie vor das geringste Angebot an echten Ganztagsschulen
aller Bundesländer. In der Sitzenbleiberquote liegt das Saarland im
Vergleich zu anderen Bundesländern auf dem viertletzten Platz und
eine echte Wahlfreiheit der Eltern zwischen integrativer Beschulung
von behinderten Kindern und der Beschulung an einer Förderschule
gibt es ebenso wenig.
Abschließend fordert GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler
Bildungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer auf, die Ergebnisse
der Bildungsstudie ernst zu nehmen und sich dafür einzusetzen, dass
im nächsten Landeshaushalt deutlich mehr Mittel für die schulische
Bildung zur Verfügung gestellt werden. Auch in der
Bildungsfinanzierung nimmt das Saarland im Vergleich der
Bundesländer bislang den letzten Rangplatz ein.