GEW fordert Änderung des
Schulordnungsgesetzes und
Schulentwicklungsplan
Nach der Veröffentlichung der Entwicklung der
Schülerzahlen an den saarländischen Schulen bis zum Jahr 2013 durch
die Landeselterninitiative für Bildung, die sich auf eine Prognose
aus dem Kultusministerium beruft, sieht sich die Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, in ihrer
Kritik an der saarländischen Bildungspolitik bestätigt.
GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler sagt dazu: „Seit Jahren fordern
wir einen Schulentwicklungsplan von der Landesregierung um weitere
Schulschließungen zu vermeiden und für die einzelnen Regionen eine
dauerhafte Perspektive und Absicherung von Schulstandorten zu
erreichen. Die Landesregierung hat überhaupt kein Konzept, wie sie
der demografischen Entwicklung und deren Auswirkung auf die
saarländische Schullandschaft qualitativ und quantitativ gerecht
werden kann. Ich befürchte, dass die Diskussion um Schulstandorte
wieder so geführt wird, wie im Jahr 2004. Damals hieß es seitens der
CDU-Landesregierung, dass es keine Schulschließungen geben wird,
aber kurz nach der Wahl im Jahr 2005 hat Kultusminister Schreier
rund 100 Grundschulen im Land geschlossen. Heute ist es bezeichnend,
dass Schulschließungsminister Schreier sich als
Fraktionsvorsitzender der CDU-Landtagsfraktion vorerst nicht zu der
Thematik äußert, weil viele Menschen noch wissen, wie er nach der
Rasenmäher-Methode Schulstandorte im Saarland kaputt gemacht hat.“
Die GEW appelliert an Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer
sich in der Frage der Erhaltung von Schulstandorten eindeutig zu
positionieren, damit es keine zweite Schulschließungswelle im
Saarland, insbesondere im Bereich der weiterführenden Schulen gibt.
Um dies zu verhindern, muss die Ministerin auch für eine Änderung
des Schulordnungsgesetzes sein. Die GEW fordert die Landesregierung
auf, durch eine Änderung des Schulordnungsgesetzes für Grundschulen
wieder die Einzügigkeit zuzulassen und für die weiterführenden
Schulen anstatt einer Dreizügigkeit (drei Klassen pro Jahrgang) auch
eine Zweizügigkeit zu erlauben.
Neben einer Änderung der Rechtsvorschriften zur Erhaltung von
Schulstandorten fordert die GEW weitergehend eine umfassende
Schulstrukturreform im Saarland, die dazu führt, dass die Qualität
der Bildung bei Erhaltung eines wohnortnahen regionalen
Bildungsangebotes verbessert wird. Dazu ist es erforderlich, eine
regional spezifische Schulentwicklungsplanung unter Einbindung der
jeweiligen Schulträger vorzunehmen. Im Einzelnen bedeutet dies für
die GEW eine deutliche Verbesserung der Schüler-Lehrer-Relation an
den Schulen, die Einführung von echten Ganztagsschulen, sowie den
stufenweisen Aufbau eines integrierten Schulsystems durch Umwandlung
einzelner Erweiterter Realschulen in Gesamtschulen. Die
Schülerzahlen sinken in den einzelnen Schulformen nicht überall
gleichmäßig. Nach wie vor gibt es eine verstärkte Elternnachfrage
nach Gesamtschulplätzen, die durch das bestehende Gesamtschulangebot
nicht befriedigt werden kann. Deshalb fordert die GEW, in solchen
Städten und Gemeinden, wo die Elternnachfrage größer ist als das
Gesamtschulangebot, aber gleichzeitig Erweiterte Realschulen mit
zurückgehenden Schülerzahlen zu kämpfen haben, diese in
Gesamtschulen umzuwandeln. Dies betrifft in erster Linie die
Landkreise St. Wendel, Merzig und Saarlouis.
GEW-Chef Klaus Kessler äußert dazu: „In der Gesamtschulfrage muss
die Landesregierung endlich ihre ideologischen Scheuklappen ablegen.
Dies gilt gleichermaßen für die CDU-Mehrheiten in den Kreistagen,
die bislang Anträge auf Einrichtung von Gesamtschulen abgelehnt
haben. Es ist ein Skandal, wenn die Elternnachfrage nach
Gesamtschulplätzen an einigen Standorten so groß ist, dass Plätze
ausgelost werden müssen. Bildungschancen dürfen nicht per
Losverfahren verteilt werden.“
Abschließend warnt die GEW davor, die Diskussion um die Erhaltung
von Schulstandorten nicht dazu zu verwenden, wieder einmal
Sparmaßnahmen im Schulbereich durchzuführen. Die zurückgehende
Schülerzahlen müssen insgesamt dazu genutzt werden qualitative
Verbesserungen an den Schulen vorzunehmen und gleiche Lehr- und
Lernbedingungen im Bereich aller Schulen herzustellen.