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Pressemitteilung 17-2008

23.06.2008

 GEW kritisiert zentrale Abschlussprüfungen

Angesichts des schlechten Abschneidens vieler Schülerinnen und Schüler im Fach Mathematik an den Erweiterten Realschulen und Gesamtschulen kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, die Organisation und Durchführung der zentralen Abschlussprüfungen zum Erwerb des Hauptschulabschlusses und des mittleren Bildungsabschlusses grundsätzlich. Nach Einführung dieser Prüfungen im Jahr 2000 durch die CDU-Landesregierung ist es heute dringend erforderlich, die Organisation der Prüfungen, die Inhalte der Prüfungen und den Ablauf der Prüfungen einer kritischen Bewertung zu unterziehen.
GEW-Landeschef Klaus Kessler sagt dazu: „ Die Vorbereitung und Durchführung der zentralen Prüfungen belasten in hohem Maße Schüler, Lehrer und die Schulorganisation insgesamt, sodass es zu einem erheblichen Unterrichtsausfall kommt. Der Stellenwert der Prüfung steht in keinem Verhältnis mehr zum betriebenen Aufwand. Dieser ähnelt den zeitlich-organisatorischen Aufwand der Abiturprüfungen. Wir brauchen keinen Abschlussabitur. Hierdurch wird weder eine Leistungssteigerung noch eine Qualitätssteigerung des Abschlusses erreicht.“ Da die CDU-Landesregierung an den Prüfungen festzuhalten gedenkt, fordert die GEW Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer dazu auf, dringend eine Evaluation der zentralen Abschlussprüfungen im Saarland unter der Berücksichtigung nachfolgender Fragen durchzuführen und damit die Sinnhaftigkeit der Prüfungen zu belegen:
- Wie viel Unterricht fällt bei der Durchführung der Prüfungen (schriftliche und mündliche Prüfungen) aus?
- Welche Auswirkungen haben die zentralen Abschlussprüfungen auf den dazu vorbereitenden Unterricht?
- Werden durch diese Prüfungen Motivation und Leistung der Schülerinnen und Schüler gesteigert?
Aus GEW-Sicht sorgen die zentralen Abschlussprüfungen an den Erweiterten Realschulen und Gesamtschulen ebenso für eine Zunahme der Ungerechtigkeit zwischen den einzelnen Schulformen. Die Schülerinnen und Schüler, die das Gymnasium mit dem Hauptschulabschluss oder dem mittleren Bildungsabschluss verlassen, brauchen sich keinerlei Prüfungen zu unterziehen.
Statt den zentralen Abschlussprüfungen, die lediglich das punktuelle Prüfungslernen verstärken und einen Unterricht in Richtung eines teaching-to-the-test fördern, fordert die GEW die Einführung eines neuen Abschlussverfahrens, in dem dauerhaft erworbene Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler, wie z.B. Kommunikationsfähigkeit und problemlösendes Denken geprüft werden. Darüber hinaus sollen die Schulen mehr Zeit zum Üben und Wiederholen des Lernstoffes erhalten. Dazu fordert die GEW die verbindliche Einrichtung von Förderstunden für jede Schulform.
Auf massive Kritik der GEW stößt die von der Kultusministerin beabsichtigte Verschlechterung der Chancen für Gesamtschüler in den Abiturkursen, die auf die gymnasiale Oberstufe vorbereiten. Nach Plänen von Kramp-Karrenbauer sollen diese Schüler erst bei einer Note von 10 Punkten statt wie bisher 05 Punkten von der schriftlichen Prüfung für den mittleren Bildungsabschluss befreit werden. Dies betrifft auch die Schülerinnen und Schüler an den Erweiterten Realschulen, die neu in die A-Kurse eingestuft werden.
GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler sagt dazu: „A-Kurs-Schüler werden auf gymnasialem Niveau unterrichtet und müssen wie die Schüler am Gymnasium gleich behandelt werden. Diese brauchen auch keine Prüfung für den mittleren Bildungsabschluss zu machen, wenn sie in die gymnasiale Oberstufe aufsteigen. Die beabsichtigte Neuregelung der Ministerin erschwert die Durchlässigkeit zur gymnasialen Oberstufe für alle Schülerinnen und Schüler der Gesamtschulen und Erweiterten Realschulen. Bevor sie so einen Unsinn in Kraft setzt, sollte sie sich fachlich besser informieren.“

 
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