Angesichts des schlechten Abschneidens vieler
Schülerinnen und Schüler im Fach Mathematik an den Erweiterten
Realschulen und Gesamtschulen kritisiert die Gewerkschaft Erziehung
und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, die Organisation und
Durchführung der zentralen Abschlussprüfungen zum Erwerb des
Hauptschulabschlusses und des mittleren Bildungsabschlusses
grundsätzlich. Nach Einführung dieser Prüfungen im Jahr 2000 durch
die CDU-Landesregierung ist es heute dringend erforderlich, die
Organisation der Prüfungen, die Inhalte der Prüfungen und den Ablauf
der Prüfungen einer kritischen Bewertung zu unterziehen.
GEW-Landeschef Klaus Kessler sagt dazu: „ Die Vorbereitung und
Durchführung der zentralen Prüfungen belasten in hohem Maße Schüler,
Lehrer und die Schulorganisation insgesamt, sodass es zu einem
erheblichen Unterrichtsausfall kommt. Der Stellenwert der Prüfung
steht in keinem Verhältnis mehr zum betriebenen Aufwand. Dieser
ähnelt den zeitlich-organisatorischen Aufwand der Abiturprüfungen.
Wir brauchen keinen Abschlussabitur. Hierdurch wird weder eine
Leistungssteigerung noch eine Qualitätssteigerung des Abschlusses
erreicht.“ Da die CDU-Landesregierung an den Prüfungen festzuhalten
gedenkt, fordert die GEW Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer
dazu auf, dringend eine Evaluation der zentralen Abschlussprüfungen
im Saarland unter der Berücksichtigung nachfolgender Fragen
durchzuführen und damit die Sinnhaftigkeit der Prüfungen zu belegen:
- Wie viel Unterricht fällt bei der Durchführung der Prüfungen
(schriftliche und mündliche Prüfungen) aus?
- Welche Auswirkungen haben die zentralen Abschlussprüfungen auf den
dazu vorbereitenden Unterricht?
- Werden durch diese Prüfungen Motivation und Leistung der
Schülerinnen und Schüler gesteigert?
Aus GEW-Sicht sorgen die zentralen Abschlussprüfungen an den
Erweiterten Realschulen und Gesamtschulen ebenso für eine Zunahme
der Ungerechtigkeit zwischen den einzelnen Schulformen. Die
Schülerinnen und Schüler, die das Gymnasium mit dem
Hauptschulabschluss oder dem mittleren Bildungsabschluss verlassen,
brauchen sich keinerlei Prüfungen zu unterziehen.
Statt den zentralen Abschlussprüfungen, die lediglich das punktuelle
Prüfungslernen verstärken und einen Unterricht in Richtung eines
teaching-to-the-test fördern, fordert die GEW die Einführung eines
neuen Abschlussverfahrens, in dem dauerhaft erworbene Kompetenzen
der Schülerinnen und Schüler, wie z.B. Kommunikationsfähigkeit und
problemlösendes Denken geprüft werden. Darüber hinaus sollen die
Schulen mehr Zeit zum Üben und Wiederholen des Lernstoffes erhalten.
Dazu fordert die GEW die verbindliche Einrichtung von Förderstunden
für jede Schulform.
Auf massive Kritik der GEW stößt die von der Kultusministerin
beabsichtigte Verschlechterung der Chancen für Gesamtschüler in den
Abiturkursen, die auf die gymnasiale Oberstufe vorbereiten. Nach
Plänen von Kramp-Karrenbauer sollen diese Schüler erst bei einer
Note von 10 Punkten statt wie bisher 05 Punkten von der
schriftlichen Prüfung für den mittleren Bildungsabschluss befreit
werden. Dies betrifft auch die Schülerinnen und Schüler an den
Erweiterten Realschulen, die neu in die A-Kurse eingestuft werden.
GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler sagt dazu: „A-Kurs-Schüler
werden auf gymnasialem Niveau unterrichtet und müssen wie die
Schüler am Gymnasium gleich behandelt werden. Diese brauchen auch
keine Prüfung für den mittleren Bildungsabschluss zu machen, wenn
sie in die gymnasiale Oberstufe aufsteigen. Die beabsichtigte
Neuregelung der Ministerin erschwert die Durchlässigkeit zur
gymnasialen Oberstufe für alle Schülerinnen und Schüler der
Gesamtschulen und Erweiterten Realschulen. Bevor sie so einen Unsinn
in Kraft setzt, sollte sie sich fachlich besser informieren.“