Schuljahresbeginn
2008/09
GEW kritisiert mangelhafte Datentransparenz bei Lehrerneuein-
stellungen und übergroßen Klassen an Gesamtschulen und
Gymnasien im Saarland
Zu Beginn des Schuljahres 2008/09 (Schulbeginn Montag
11.08.2008) kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
(GEW), Landesverband Saarland, die mangelhafte Datentransparenz der
Kultusministerin bei der Zahl der neueingestellten Lehrkräfte an den
allgemein bildenden und beruflichen Schule des Saarlandes. Aus den
„Informationen zum Schuljahr 2008/09“, die der Presse zur Verfügung
gestellt wurden, geht nicht hervor, wie viele Lehrkräfte zum neuen
Schuljahr unbefristet auf neuen Planstellen eingestellt worden sind.
Stattdessen werden dort Zahlen aufgeführt, die sich auch auf
Aushilfslehrer und Vertretungskräfte beziehen. So werden z.B. für
die Grundschulen als neu eingestellte Lehrkräfte 214 Personen
angegeben, ohne zu sagen, dass davon rund 150 Personen nur befristet
beschäftigt als Schwangerschaftsvertretungen mit Verträgen von
unterschiedlicher Laufzeit und unterschiedlichem Stundenumfang
abgespeist werden. Nach Berechnungen der GEW erhalten im
Grundschulbereich lediglich 60 Junglehrer eine unbefristete
dauerhafte Neueinstellung im Saarland. „Dies ist eine Folge der
Grundschulschließungen als Sparmaßnahme der Landesregierung, die wir
massiv kritisieren – auch in diesem Jahr werden wieder 63
Planstellen im Grundschulbereich gestrichen“, sagte
GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler.
Bezogen auf alle Schulformen fordert die GEW Kultusministerin
Kramp-Karrenbauer auf, eine hinreichende Datentransparenz in Bezug
auf die Neueinstellungen zum Schuljahr 2008/09 zu schaffen. Dazu
gehört eine exakte Unterscheidung zwischen unbefristet eingestellten
Lehrkräften auf neue Planstellen und nur befristet eingestellten
Aushilfslehrern.
Die GEW kritisiert des Weiteren die übergroßen Klassen an den
Gesamtschulen und Gymnasien des Landes. Nach Angaben des
Kultusministeriums haben die Gymnasien eine durchschnittliche
Klassengröße von 27,3 Kindern (Vorjahr: 27,7) und die Gesamtschulen
eine Klassengröße von 29,3 Kindern(Vorjahr: 27,8). Aus Sicht der GEW
hat die Ankündigung der Ministerin, ab dem kommenden Jahr keine
Klasse über 29 Schülerinnen und Schüler einzurichten, nicht dazu
geführt, die durchschnittliche Klassengröße an den Gesamtschulen und
Gymnasien des Landes spürbar abzusenken.
Im Gegenteil dazu haben die Gesamtschulen als einzige Schulform im
Saarland noch einen deutlichen Anstieg der durchschnittlichen
Klassengröße auf über 29 Kinder pro Klasse zu verzeichnen. GEW-Chef
Klaus Kessler kritisiert dies mit scharfen Worten: „ Die Ministerin
beansprucht die Schulformen gleich zu behandeln und mehr
Gerechtigkeit zwischen den einzelnen Schulformen herzustellen. Dabei
benachteiligt sie in erheblichem Maße die saarländischen
Gesamtschulen, die mittlerweile bundesweit die größten Klassen
haben. Im Vergleich mit der Klassengröße an den Erweiterten
Realschulen, die bei 22,4 Kindern liegt (Vorjahr: 23,1), ist dies
eine riesige Ungerechtigkeit. Die Ministerin muss endlich der
Benachteiligung der Gesamtschulen bei der Personalzuweisung ein Ende
zu setzen. Frau Kramp-Karrenbauer muss zur Kenntnis nehmen, dass
sich die saarländischen Gesamtschulen einer steigenden Nachfrage
erfreuen und eine hohe Akzeptanz bei Schülern und Eltern erreicht
haben. Zudem sind die Gesamtschulen gezwungen, infolge der
verunglückten Einführung des G8 immer mehr sog. „Rückläufer“ aus dem
G8-Gymnasium aufzunehmen. Auch diesem Umstand muss eine verstärkte
Personalzuweisung zur Bildung kleinerer Klassen Rechnung tragen.“
Abschließend fordert GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler die
Kultusministerin auf, endlich ihre ideologischen Scheuklappen in
Bezug auf die Gesamtschule abzulegen und diese gegenüber den anderen
Schulformen nicht weiter zu benachteiligen.