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Pressemitteilung 23-2008

10.09.2008

 Reparaturmaßnahmen statt Reformen
 Regierungserklärung löst keine zentralen Probleme

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband, hat sich zur Regierungserklärung der Ministerin für Bildung, Familie, Frauen und Kultur, Annegret Kramp-Karrenbauer, mit den Worten geäußert: „Reparaturmaßnahmen statt Reformen“. Aus GEW-Sicht bleiben auch nach der Regierungserklärung zentrale Probleme des saarländischen Bildungswesens ungelöst. Dazu zählen die soziale Auslese im Bildungssystem durch die frühe Aufteilung der Kinder nach der Grundschulzeit in die verschiedenen Schulformen und Bildungsgänge, die übergroßen Klassen an den Gesamtschulen und Gymnasien sowie die völlig unzureichende Lehrerversorgung an den Schulen des Saarlandes.

Positiv und als Erfolg gewerkschaftlicher Aktivitäten bewertet die GEW die Bereitstellung von 110 zusätzlichen Stellen für den Bereich der Beruflichen Schulen bis zum Jahr 2012 und die Erhöhung der Durchlässigkeit der Erweiterten Realschulen durch Einrichtung eines Kurssystems vergleichbar dem an Gesamtschulen.

GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler kommentiert die Regierungserklärung wie folgt: „Die CDU-Landesregierung gibt dem gewerkschaftlichen Druck und dem der Eltern zunehmend nach, indem sie versucht, Fehlentwicklungen in den einzelnen Schulformen zu reparieren. Diese Reparaturen ersetzen allerdings keine Reform. Das sture Festhalten am gegliederten Schulsystem aus rein ideologischen Gründen kann im internationalen Vergleich nur noch Kopfschütteln hervorrufen. Die Verbesserungen im Bereich der Erweiterte Realschulen, die unter einem Schülerrückgang und Imageverlust zu leiden haben, begrüßen wir. Sie dürfen allerdings nicht auf Kosten der seit Jahren bewährten Gesamtschulen durchgeführt werden. Nach wie vor haben die Gesamtschulen landesweit die größten Klassen mit durchschnittlich 29,3 Schülerinnen und Schüler, ebenso sind die durchschnittlichen Klassengrößen an den Gymnasien mit 27,3 Schülern viel zu hoch. Hierzu hat die Ministerin keine Verbesserungen zugesagt.

Ein Grundproblem in der saarländischen Schullandschaft ist die Versorgung mit qualifiziertem Lehrpersonal schlechthin. Hier rächen sich die Sünden der Vergangenheit und der Gegenwart: nicht alle Lehrerinnen und Lehrer bekommen im Saarland nach ihrer Ausbildung eine unbefristete Stelle. Deshalb sind viele bereits in der Vergangenheit in andere Bundesländer abgewandert. Ebenso fehlen in den Studienseminaren zusätzliche Ausbildungsplätze, um den Lehramtsstudierenden nach ihrem Studium ohne Zeitverzögerung eine Ausbildung zu garantieren. Die Ursachen für den Lehrermangel im Saarland sind hausgemacht und weiterer Unterrichtsausfall infolge fehlendem Lehrpersonal ist vorprogrammiert. Auf diese Problematik ist die Ministerin bedauerlicherweise überhaupt nicht eingegangen.“

Die GEW fordert abschließend die Kultusministerin dazu auf, im Bereich der Personalausstattung, der Klassengröße und Förderstundenzuweisung alle Schulen gerecht zu behandeln. Aus GEW-Sicht heißt das, dass Schulen, die in einem sozialen Brennpunkt und schwierigen Umfeld liegen, eine bessere Personalausstattung und mehr Förderstunden erhalten müssen als andere Schulen.
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