Reparaturmaßnahmen
statt Reformen
Regierungserklärung löst keine zentralen Probleme Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW),
Landesverband, hat sich zur Regierungserklärung der Ministerin für
Bildung, Familie, Frauen und Kultur, Annegret Kramp-Karrenbauer, mit
den Worten geäußert: „Reparaturmaßnahmen statt Reformen“. Aus
GEW-Sicht bleiben auch nach der Regierungserklärung zentrale
Probleme des saarländischen Bildungswesens ungelöst. Dazu zählen die
soziale Auslese im Bildungssystem durch die frühe Aufteilung der
Kinder nach der Grundschulzeit in die verschiedenen Schulformen und
Bildungsgänge, die übergroßen Klassen an den Gesamtschulen und
Gymnasien sowie die völlig unzureichende Lehrerversorgung an den
Schulen des Saarlandes.
Positiv und als Erfolg gewerkschaftlicher Aktivitäten bewertet die
GEW die Bereitstellung von 110 zusätzlichen Stellen für den Bereich
der Beruflichen Schulen bis zum Jahr 2012 und die Erhöhung der
Durchlässigkeit der Erweiterten Realschulen durch Einrichtung eines
Kurssystems vergleichbar dem an Gesamtschulen.
GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler kommentiert die
Regierungserklärung wie folgt: „Die CDU-Landesregierung gibt dem
gewerkschaftlichen Druck und dem der Eltern zunehmend nach, indem
sie versucht, Fehlentwicklungen in den einzelnen Schulformen zu
reparieren. Diese Reparaturen ersetzen allerdings keine Reform. Das
sture Festhalten am gegliederten Schulsystem aus rein ideologischen
Gründen kann im internationalen Vergleich nur noch Kopfschütteln
hervorrufen. Die Verbesserungen im Bereich der Erweiterte
Realschulen, die unter einem Schülerrückgang und Imageverlust zu
leiden haben, begrüßen wir. Sie dürfen allerdings nicht auf Kosten
der seit Jahren bewährten Gesamtschulen durchgeführt werden. Nach
wie vor haben die Gesamtschulen landesweit die größten Klassen mit
durchschnittlich 29,3 Schülerinnen und Schüler, ebenso sind die
durchschnittlichen Klassengrößen an den Gymnasien mit 27,3 Schülern
viel zu hoch. Hierzu hat die Ministerin keine Verbesserungen
zugesagt.
Ein Grundproblem in der saarländischen Schullandschaft ist die
Versorgung mit qualifiziertem Lehrpersonal schlechthin. Hier rächen
sich die Sünden der Vergangenheit und der Gegenwart: nicht alle
Lehrerinnen und Lehrer bekommen im Saarland nach ihrer Ausbildung
eine unbefristete Stelle. Deshalb sind viele bereits in der
Vergangenheit in andere Bundesländer abgewandert. Ebenso fehlen in
den Studienseminaren zusätzliche Ausbildungsplätze, um den
Lehramtsstudierenden nach ihrem Studium ohne Zeitverzögerung eine
Ausbildung zu garantieren. Die Ursachen für den Lehrermangel im
Saarland sind hausgemacht und weiterer Unterrichtsausfall infolge
fehlendem Lehrpersonal ist vorprogrammiert. Auf diese Problematik
ist die Ministerin bedauerlicherweise überhaupt nicht eingegangen.“
Die GEW fordert abschließend die Kultusministerin dazu auf, im
Bereich der Personalausstattung, der Klassengröße und
Förderstundenzuweisung alle Schulen gerecht zu behandeln. Aus
GEW-Sicht heißt das, dass Schulen, die in einem sozialen Brennpunkt
und schwierigen Umfeld liegen, eine bessere Personalausstattung und
mehr Förderstunden erhalten müssen als andere Schulen.
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