Landesausschuss
der GEW-Saarland in Spiesen
Soziale Auslese durch Bildung beseitigen – nachhaltige Reformen
anstatt kurzfristiger Reparaturmaßnahmen Auf dem diesjährigen Landesausschuss der Gewerkschaft Erziehung
und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, hat GEW-Chef Klaus
Kessler in einer einstündigen Grundsatzrede die Bildungspolitik der
Landesregierung scharf kritisiert. Er forderte Bildungsministerin
Kramp-Karrenbauer auf, endlich die soziale Auslese durch Bildung zu
beseitigen und nachhaltige Reformen statt kurzfristiger
Reparaturmaßnahmen durchzuführen. Er kritisierte, dass der Anteil
der Bildungsausgaben im Saarland bundesweit am niedrigsten von allen
Bundesländern ist. Zudem sind die Klassengrößen im Saarland,
insbesondere an den Gymnasien und den Gesamtschulen mit
durchschnittlich 28 bzw. 29 Schülerinnen und Schülern die höchsten
im Bundesländervergleich. An die Adresse der Bildungsministerin
richtete Klaus Kessler die Worte: „Wer mehr Qualität in der Schule
will, muss deutlich bessere Rahmenbedingungen schaffen als das zur
Zeit der Fall ist.“
Als besonders bedenklich sieht der GEW-Vorsitzende die soziale
Entwicklung im Bildungsbereich des Saarlandes an. Nach wie vor ist
der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft abhängig, d.h.
Bildungsarmut wird im Saarland vererbt. Bezogen auf die
zurückliegenden Jahre hat sich nach Aussage der GEW die soziale
Schere in der Bildungspolitik der saarländischen Landesregierung
noch weiter auseinanderentwickelt. Klaus Kessler dazu: „PISA hat
festgestellt, dass im Jahr 2000 die Chancen eines Akademikerkindes,
auf das Gymnasium zu kommen, 3,5 mal so hoch waren, wie die Chancen
eines Facharbeiterkindes. Im Jahr 2006 ist dieselbe Chance schon 4,5
fach so hoch. Das heißt, ein Facharbeiterkind im Saarland hat es
mittlerweile 4 mal schwerer, trotz gleicher Leistung, auf das
Gymnasium zu gelangen. Dies ist die traurige G 8-Bilanz der
CDU-Landesregierung. Anstatt mehr Chancengleichheit und
Gerechtigkeit im Schulsystem herzustellen, setzt die Landesregierung
auf das Prinzip: früh selektieren und spät reparieren.“
Weiterhin wirft Klaus Kessler der Bildungsministerin vor, in der
Frage der Klassengröße die Lehrerinnen und Lehrer im Stich zu
lassen. Ihre Äußerung, die Klassengröße spiele keine Rolle für die
Leistungen der Schüler, wird vom GEW-Vorsitzenden mit scharfen
Worten zurückgewiesen: „Die Ministerin kennt nicht die pädagogische
Wirklichkeit an den Schulen, vernachlässigt ihre Fürsorgepflicht und
zeigt wenig Fingerspitzengefühl für das ihr anvertraute Personal.
Wer große Klassen nicht kritisiert, nimmt die Benachteiligung,
insbesondere von lernschwachen Schüler/innen und Migrantenkindern
billigend in Kauf.“
Die GEW fordert als Klassenhöchstgrenze für die Grundschulen 20
Schülerinnen und Schüler und für die weiterführenden Schulen
einheitlich 25 Schülerinnen und Schüler. Ein weiterer Vorwurf des
GEW-Chefs an die Ministerin ist der einer ungerechten Behandlung von
Schulformen im Zusammenhang mit dem geplanten Verbundsystem in der
gymnasialen Oberstufe.
Klaus Kessler sagte dazu: „Das Verbundsystem ist zuerst einmal ein
bildungspolitisches Konjunkturprogram für notleidende und unter
Schülerschwund stehende Erweiterte Realschulen. Wir haben nichts
gegen eine höhere Durchlässigkeit und Oberstufen für Erweiterte
Realschulen, solange dies nicht auf Kosten der Gesamtschulen geht.
In der aktuellen Diskussion um den Erhalt und Ausbau der Oberstufen
an den Gesamtschulen wird sich zeigen, wie ernst es die Ministerin
mit dem Erhalt der Gesamtschulen meint.“
Die GEW befürchtet, dass es in der aktuellen Diskussion um die
Weiterentwicklung der Schulformen zu einer Demontage der
Gesamtschulen, insbesondere der Gesamtschuloberstufen, kommen wird.
Klaus Kessler kündigt dazu den entschiedenen Widerstand der GEW an.