Die GEW Saarland

Aktuelles

Service

Kontakt

Archiv

 
 
 
Archiv
2010
2009
2008
Pressemitteilungen
2007
2006
2005
2004
2003
vor 2003
   
   
   
 

Pressemitteilung 31-2008

27.11.2008

 Landesausschuss der GEW-Saarland in Spiesen
 Soziale Auslese durch Bildung beseitigen – nachhaltige Reformen
 anstatt kurzfristiger Reparaturmaßnahmen

Auf dem diesjährigen Landesausschuss der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, hat GEW-Chef Klaus Kessler in einer einstündigen Grundsatzrede die Bildungspolitik der Landesregierung scharf kritisiert. Er forderte Bildungsministerin Kramp-Karrenbauer auf, endlich die soziale Auslese durch Bildung zu beseitigen und nachhaltige Reformen statt kurzfristiger Reparaturmaßnahmen durchzuführen. Er kritisierte, dass der Anteil der Bildungsausgaben im Saarland bundesweit am niedrigsten von allen Bundesländern ist. Zudem sind die Klassengrößen im Saarland, insbesondere an den Gymnasien und den Gesamtschulen mit durchschnittlich 28 bzw. 29 Schülerinnen und Schülern die höchsten im Bundesländervergleich. An die Adresse der Bildungsministerin richtete Klaus Kessler die Worte: „Wer mehr Qualität in der Schule will, muss deutlich bessere Rahmenbedingungen schaffen als das zur Zeit der Fall ist.“

Als besonders bedenklich sieht der GEW-Vorsitzende die soziale Entwicklung im Bildungsbereich des Saarlandes an. Nach wie vor ist der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft abhängig, d.h. Bildungsarmut wird im Saarland vererbt. Bezogen auf die zurückliegenden Jahre hat sich nach Aussage der GEW die soziale Schere in der Bildungspolitik der saarländischen Landesregierung noch weiter auseinanderentwickelt. Klaus Kessler dazu: „PISA hat festgestellt, dass im Jahr 2000 die Chancen eines Akademikerkindes, auf das Gymnasium zu kommen, 3,5 mal so hoch waren, wie die Chancen eines Facharbeiterkindes. Im Jahr 2006 ist dieselbe Chance schon 4,5 fach so hoch. Das heißt, ein Facharbeiterkind im Saarland hat es mittlerweile 4 mal schwerer, trotz gleicher Leistung, auf das Gymnasium zu gelangen. Dies ist die traurige G 8-Bilanz der CDU-Landesregierung. Anstatt mehr Chancengleichheit und Gerechtigkeit im Schulsystem herzustellen, setzt die Landesregierung auf das Prinzip: früh selektieren und spät reparieren.“

Weiterhin wirft Klaus Kessler der Bildungsministerin vor, in der Frage der Klassengröße die Lehrerinnen und Lehrer im Stich zu lassen. Ihre Äußerung, die Klassengröße spiele keine Rolle für die Leistungen der Schüler, wird vom GEW-Vorsitzenden mit scharfen Worten zurückgewiesen: „Die Ministerin kennt nicht die pädagogische Wirklichkeit an den Schulen, vernachlässigt ihre Fürsorgepflicht und zeigt wenig Fingerspitzengefühl für das ihr anvertraute Personal. Wer große Klassen nicht kritisiert, nimmt die Benachteiligung, insbesondere von lernschwachen Schüler/innen und Migrantenkindern billigend in Kauf.“

Die GEW fordert als Klassenhöchstgrenze für die Grundschulen 20 Schülerinnen und Schüler und für die weiterführenden Schulen einheitlich 25 Schülerinnen und Schüler. Ein weiterer Vorwurf des GEW-Chefs an die Ministerin ist der einer ungerechten Behandlung von Schulformen im Zusammenhang mit dem geplanten Verbundsystem in der gymnasialen Oberstufe.

Klaus Kessler sagte dazu: „Das Verbundsystem ist zuerst einmal ein bildungspolitisches Konjunkturprogram für notleidende und unter Schülerschwund stehende Erweiterte Realschulen. Wir haben nichts gegen eine höhere Durchlässigkeit und Oberstufen für Erweiterte Realschulen, solange dies nicht auf Kosten der Gesamtschulen geht. In der aktuellen Diskussion um den Erhalt und Ausbau der Oberstufen an den Gesamtschulen wird sich zeigen, wie ernst es die Ministerin mit dem Erhalt der Gesamtschulen meint.“

Die GEW befürchtet, dass es in der aktuellen Diskussion um die Weiterentwicklung der Schulformen zu einer Demontage der Gesamtschulen, insbesondere der Gesamtschuloberstufen, kommen wird. Klaus Kessler kündigt dazu den entschiedenen Widerstand der GEW an.

 
  © 2011 Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Landesverband Saarland

| Impressum