Elternkritik
an G8: GEW spricht von „schleichender Privatisierung durch
Nachhilfe“ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband
Saarland, sieht sich durch die von der Landelternvertretung (LEV)
Gymnasium veröffentlichte Studie zur Belastung der Schülerinnen und
Schüler im G8 in ihrer grundsätzlichen Kritik an der gymnasialen
Schulzeitverkürzung bestätigt. Aus der von den Eltern durchgeführten
Studie geht eindeutig hervor, dass die Schülerinnen und Schüler im
G8 in zunehmendem Maße private Nachhilfe in Anspruch nehmen müssen
und ebenso unter gesundheitlichen Beschwerden zu leiden haben.
Der Anstieg der Nachhilfe wird noch durch Ermittlungen der GEW zu
den Nachhilfeinstituten im Saarland erhärtet. Dazu hat die GEW
festgestellt: Im Jahr 2003 hat es im Saarland 90 zugelassene
Nachhilfeinstitute gegeben. Im Jahr 2008 ist diese Zahl auf 115
Nachhilfeinstitute angewachsen. Dies bedeutet einen Anstieg von 22
%. Hinzu kommt noch die große Anzahl von privat erteilter Nachhilfe,
die statistisch nicht erfasst wird. Die GEW geht davon aus, dass
durch die Einführung des G8 mindestens jeder dritte Schüler
Nachhilfe in Anspruch nehmen muss.
GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler sagt dazu: „Die Einführung des
G8 kommt mir vor wie ein Subventionsprogramm für kommerzielle
Nachhilfeinstitute. Die CDU-Landesregierung ist dafür
verantwortlich, dass die Bildung im Saarland vom Geldbeutel der
Eltern abhängig ist. Private Nachhilfe ist teuer, und längst nicht
jeder kann sich leisten im Monat 100,- bis 150,- Euro zusätzlich für
privaten Schulunterricht auszugeben. Dies ist eine Form von
schleichender Privatisierung, die dringend beseitigt werden muss.
Auch die Tatsache, dass zunehmend Schülerinnen und Schüler
Krankheitssymptome aufweisen, ist besorgniserregend. Wenn G 8 eine
Schulform ist, die Schüler krank macht, brauchen wir dringend eine
Korrektur dieser falschen schulpolitischen Entscheidung.“
Die GEW fordert in erster Linie eine Verkleinerung sämtlicher
Klassen am G8-Gymnasium. Die Kleinere-Klassen-Garantie gilt nur für
die Eingangsklassen und ist völlig unzureichend. Die GEW erhärtet
hierzu ihre Forderung, dass keine Klasse mehr als 25 Schülerinnen
und Schüler haben darf.
Des Weiteren fordert die GEW die Einrichtung von echten
Ganztagsschulen an den G8-Gymnasien, damit die Schülerinnen und
Schüler mehr Zeit zum Üben, Wiederholen und zum Anfertigen der
Hausaufgaben unter Betreuung haben. Die echten Ganztagsschulen
entlasten die Lehrkräfte, die Schülerinnen und Schüler, aber auch
die Eltern in finanzieller Hinsicht, denn anstelle von teurer
Nachhilfe können Förderkurse in den Schulen eingerichtet werden
können.
Als dritten Schritt zur Verbesserung des G8 fordert die GEW eine
Überarbeitung der Lehrpläne und Stundentafeln des G8. Dadurch sollen
mehr zeitliche Freiräume geschaffen werden, ebenso auch der
Unterricht methodisch und didaktisch stärker am Leitgedanken des
Förderns ausgerichtet werden.
Abschließend kritisiert die GEW das G8 auch als Sparmodell der
Landesregierung, das dazu genützt wird, Lehrerstellen einzusparen.
Aus einer Übersichtsprognose des Kultusministeriums, die der GEW zur
Verfügung steht, geht hervor, dass in den nächsten fünf bis sechs
Jahren ein deutlicher Lehrerstellenabbau am Gymnasium erfolgen soll.
Anstelle von bisher rund 100 Neueinstellungen wird es dann nur noch
60 Neueinstellungen an den saarländischen Gymnasien geben, was einen
Stellenabbau von 40 Prozent bedeutet.
Dazu sagte Klaus Kessler: „Einem Planstellenabbau am Gymnasium
werden wir unserem entschiedenen Widerstand entgegensetzen. Junge,
neu ausgebildete Gymnasiallehrkräfte brauchen eine berufliche
Perspektive am Gymnasium im Saarland, diese darf Ihnen nicht durch
einen Stellenabbau infolge des G8 genommen werden.“