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Pressemitteilung 33-2008

05.12.2008

 Elternkritik an G8: GEW spricht von „schleichender Privatisierung durch
 Nachhilfe“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, sieht sich durch die von der Landelternvertretung (LEV) Gymnasium veröffentlichte Studie zur Belastung der Schülerinnen und Schüler im G8 in ihrer grundsätzlichen Kritik an der gymnasialen Schulzeitverkürzung bestätigt. Aus der von den Eltern durchgeführten Studie geht eindeutig hervor, dass die Schülerinnen und Schüler im G8 in zunehmendem Maße private Nachhilfe in Anspruch nehmen müssen und ebenso unter gesundheitlichen Beschwerden zu leiden haben.

Der Anstieg der Nachhilfe wird noch durch Ermittlungen der GEW zu den Nachhilfeinstituten im Saarland erhärtet. Dazu hat die GEW festgestellt: Im Jahr 2003 hat es im Saarland 90 zugelassene Nachhilfeinstitute gegeben. Im Jahr 2008 ist diese Zahl auf 115 Nachhilfeinstitute angewachsen. Dies bedeutet einen Anstieg von 22 %. Hinzu kommt noch die große Anzahl von privat erteilter Nachhilfe, die statistisch nicht erfasst wird. Die GEW geht davon aus, dass durch die Einführung des G8 mindestens jeder dritte Schüler Nachhilfe in Anspruch nehmen muss.

GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler sagt dazu: „Die Einführung des G8 kommt mir vor wie ein Subventionsprogramm für kommerzielle Nachhilfeinstitute. Die CDU-Landesregierung ist dafür verantwortlich, dass die Bildung im Saarland vom Geldbeutel der Eltern abhängig ist. Private Nachhilfe ist teuer, und längst nicht jeder kann sich leisten im Monat 100,- bis 150,- Euro zusätzlich für privaten Schulunterricht auszugeben. Dies ist eine Form von schleichender Privatisierung, die dringend beseitigt werden muss. Auch die Tatsache, dass zunehmend Schülerinnen und Schüler Krankheitssymptome aufweisen, ist besorgniserregend. Wenn G 8 eine Schulform ist, die Schüler krank macht, brauchen wir dringend eine Korrektur dieser falschen schulpolitischen Entscheidung.“

Die GEW fordert in erster Linie eine Verkleinerung sämtlicher Klassen am G8-Gymnasium. Die Kleinere-Klassen-Garantie gilt nur für die Eingangsklassen und ist völlig unzureichend. Die GEW erhärtet hierzu ihre Forderung, dass keine Klasse mehr als 25 Schülerinnen und Schüler haben darf.

Des Weiteren fordert die GEW die Einrichtung von echten Ganztagsschulen an den G8-Gymnasien, damit die Schülerinnen und Schüler mehr Zeit zum Üben, Wiederholen und zum Anfertigen der Hausaufgaben unter Betreuung haben. Die echten Ganztagsschulen entlasten die Lehrkräfte, die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Eltern in finanzieller Hinsicht, denn anstelle von teurer Nachhilfe können Förderkurse in den Schulen eingerichtet werden können.

Als dritten Schritt zur Verbesserung des G8 fordert die GEW eine Überarbeitung der Lehrpläne und Stundentafeln des G8. Dadurch sollen mehr zeitliche Freiräume geschaffen werden, ebenso auch der Unterricht methodisch und didaktisch stärker am Leitgedanken des Förderns ausgerichtet werden.

Abschließend kritisiert die GEW das G8 auch als Sparmodell der Landesregierung, das dazu genützt wird, Lehrerstellen einzusparen. Aus einer Übersichtsprognose des Kultusministeriums, die der GEW zur Verfügung steht, geht hervor, dass in den nächsten fünf bis sechs Jahren ein deutlicher Lehrerstellenabbau am Gymnasium erfolgen soll. Anstelle von bisher rund 100 Neueinstellungen wird es dann nur noch 60 Neueinstellungen an den saarländischen Gymnasien geben, was einen Stellenabbau von 40 Prozent bedeutet.

Dazu sagte Klaus Kessler: „Einem Planstellenabbau am Gymnasium werden wir unserem entschiedenen Widerstand entgegensetzen. Junge, neu ausgebildete Gymnasiallehrkräfte brauchen eine berufliche Perspektive am Gymnasium im Saarland, diese darf Ihnen nicht durch einen Stellenabbau infolge des G8 genommen werden.“

 
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