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Pressemitteilung 34-2008

09.12.2008

 GEW zur IGLU-Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU-E 2006)
 Schullaufbahnempfehlung abschaffen – Ganztagsschulen ausbauen

Die  Ergebnisse  der  neuesten Internationen-Grundschule-Lese-Untersuchung (IGLU-E) 2006 werden von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, im Wesentlichen positiv bewertet. Danach schneidet das Saarland im nationalen Vergleich der Bundesländer gut ab und erreicht im Länderranking den 7. Platz.

Aus Sicht der GEW ist dies erfreulich, bestätigt werden dadurch wieder einmal die guten Ergebnisse, die bereits im letzten IGLU-Test 2001 erreicht wurden.
Die GEW führt das gute Abschneiden im Lesetest in erster Linie auf die engagierte Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer an den saarländischen Grundschulen zurück, die mit modernen Lehr- und Lernmethoden, einer individuellen Förderung und einem professionellen Umgang mit heterogenen Lerngruppen gute Leistungsergebnisse erzielen. Dabei beweisen die Grundschullehrer, dass ein gemeinsames Lernen in „Einer Schule für alle“ gut funktioniert und die Grundschule die erfolgreichste Schulform in Deutschland ist.
 
Als abwegig bezeichnet GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler die Behauptung der saarländischen Kultusministerin Kramp-Karrenbauer, dass die „Grundschulreform“, das waren die Grundschulschließungen im Schuljahr 2005/06, und die danach erfolgte Erhöhung der Stundentafel, ein Grund für die gute Leseförderung in der Grundschule sei.

GEW-Chef Klaus Kessler sagte dazu: „Die jetzt vorgestellte IGLU-Studie wurde im Jahr 2006 in den 4. Grundschulklassen durchgeführt, so dass die Maßnahmen der Landesregierung nach den Grundschulschließungen noch keine Wirkung zeigen konnten. Dass andere Projekte zur Stärkung der Lesekompetenz und der Sprachförderung eine positive Wirkung entfalten können, bestreite ich nicht. Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass auch in der neusten IGLU-Studie das Saarland bei der Leseleistung der Migrantenkinder unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Ebenso ist die Koppelung zwischen sozialer Herkunft und Schülerleistung im Saarland immer noch höher als der Durchschnitt der anderen Bundesländer in Deutschland.“

Nach Auffassung der GEW löst die IGLU-Studie nach wie vor nicht das Hauptproblem des deutschen Schulsystems, wonach die Schülerinnen und Schüler bereits am Ende der 4. Klasse auf weiterführende Schulen ungerecht verteilt werden und hierbei die soziale Schere zwischen Arbeiterkindern und Akademikerkindern weiter denn je auseinanderklafft. Trotz gleicher kognitiver Leistungen erhalten am Ende der Grundschulzeit die Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern und Migrantenfamilien erheblich seltener eine Empfehlung für das Gymnasium als Kinder aus Akademikerfamilien. Die GEW kritisiert, dass sich diese Situation im Saarland in den letzten 8 Jahren noch drastisch verschärft hat.

Im Jahr 2000 hatten Akademikerkinder im Saarland eine 3,5fach so hohe Chance auf das Gymnasium zu kommen, im Jahr 2006 ist diese Chance schon auf das 4,1fache angestiegen. Das heißt im Umkehrschluss, die Chancen von Facharbeiterkindern im Saarland, am Ende der Grundschulzeit das Gymnasium zu besuchen, haben sich in den letzten 8 Jahren im Saarland um das 0.6fache verschlechtert. „Das ist die traurige Bilanz des letzten Ländervergleichstests von PISA, die nicht verschwiegen werden darf“, sagte Klaus Kessler.

Die GEW fordert die Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer auf, aus der neusten IGLU-Studie die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Dazu gehört in erster Linie die Abschaffung der verbindlichen Schullaufbahnempfehlung für den Besuch des Gymnasiums, ein längeres gemeinsames Lernen der Schülerinnen und Schüler durch den Ausbau eines integrativen Schulsystems, sowie die Einrichtung echter, qualitätsvoller Ganztagsschulen im Saarland.

 
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