GEW
zur IGLU-Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU-E 2006)
Schullaufbahnempfehlung abschaffen – Ganztagsschulen ausbauen Die Ergebnisse der neuesten
Internationen-Grundschule-Lese-Untersuchung (IGLU-E) 2006 werden von
der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband
Saarland, im Wesentlichen positiv bewertet. Danach schneidet das
Saarland im nationalen Vergleich der Bundesländer gut ab und
erreicht im Länderranking den 7. Platz.
Aus Sicht der GEW ist dies erfreulich, bestätigt werden dadurch
wieder einmal die guten Ergebnisse, die bereits im letzten IGLU-Test
2001 erreicht wurden.
Die GEW führt das gute Abschneiden im Lesetest in erster Linie auf
die engagierte Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer an den
saarländischen Grundschulen zurück, die mit modernen Lehr- und
Lernmethoden, einer individuellen Förderung und einem
professionellen Umgang mit heterogenen Lerngruppen gute
Leistungsergebnisse erzielen. Dabei beweisen die Grundschullehrer,
dass ein gemeinsames Lernen in „Einer Schule für alle“ gut
funktioniert und die Grundschule die erfolgreichste Schulform in
Deutschland ist.
Als abwegig bezeichnet GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler die
Behauptung der saarländischen Kultusministerin Kramp-Karrenbauer,
dass die „Grundschulreform“, das waren die Grundschulschließungen im
Schuljahr 2005/06, und die danach erfolgte Erhöhung der
Stundentafel, ein Grund für die gute Leseförderung in der
Grundschule sei.
GEW-Chef Klaus Kessler sagte dazu: „Die jetzt vorgestellte
IGLU-Studie wurde im Jahr 2006 in den 4. Grundschulklassen
durchgeführt, so dass die Maßnahmen der Landesregierung nach den
Grundschulschließungen noch keine Wirkung zeigen konnten. Dass
andere Projekte zur Stärkung der Lesekompetenz und der
Sprachförderung eine positive Wirkung entfalten können, bestreite
ich nicht. Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass auch in der
neusten IGLU-Studie das Saarland bei der Leseleistung der
Migrantenkinder unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Ebenso ist die
Koppelung zwischen sozialer Herkunft und Schülerleistung im Saarland
immer noch höher als der Durchschnitt der anderen Bundesländer in
Deutschland.“
Nach Auffassung der GEW löst die IGLU-Studie nach wie vor nicht das
Hauptproblem des deutschen Schulsystems, wonach die Schülerinnen und
Schüler bereits am Ende der 4. Klasse auf weiterführende Schulen
ungerecht verteilt werden und hierbei die soziale Schere zwischen
Arbeiterkindern und Akademikerkindern weiter denn je
auseinanderklafft. Trotz gleicher kognitiver Leistungen erhalten am
Ende der Grundschulzeit die Kinder aus sozial schwachen
Elternhäusern und Migrantenfamilien erheblich seltener eine
Empfehlung für das Gymnasium als Kinder aus Akademikerfamilien. Die
GEW kritisiert, dass sich diese Situation im Saarland in den letzten
8 Jahren noch drastisch verschärft hat.
Im Jahr 2000 hatten Akademikerkinder im Saarland eine 3,5fach so
hohe Chance auf das Gymnasium zu kommen, im Jahr 2006 ist diese
Chance schon auf das 4,1fache angestiegen. Das heißt im
Umkehrschluss, die Chancen von Facharbeiterkindern im Saarland, am
Ende der Grundschulzeit das Gymnasium zu besuchen, haben sich in den
letzten 8 Jahren im Saarland um das 0.6fache verschlechtert. „Das
ist die traurige Bilanz des letzten Ländervergleichstests von PISA,
die nicht verschwiegen werden darf“, sagte Klaus Kessler.
Die GEW fordert die Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer auf,
aus der neusten IGLU-Studie die richtigen Konsequenzen zu ziehen.
Dazu gehört in erster Linie die Abschaffung der verbindlichen
Schullaufbahnempfehlung für den Besuch des Gymnasiums, ein längeres
gemeinsames Lernen der Schülerinnen und Schüler durch den Ausbau
eines integrativen Schulsystems, sowie die Einrichtung echter,
qualitätsvoller Ganztagsschulen im Saarland.