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Pressemitteilung 36-2008

17.12.2008

 Lob und Kritik zu Schulplänen der Bildungsministerin

In einer ersten Stellungnahme zu den Schulplänen von Bildungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sieht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, drei wesentliche Forderungen als erfüllt an.

1. Das neue Schulverbundsystem, in dem die Erweiterten Realschulen, Gesamtschulen, berufliche Schulen und Gymnasien kooperieren, akzeptiert bestehende Gesamtschuloberstufen und trägt bereits bestehenden Oberstufenkooperationen von Gesamtschulen und Erweiterten Realschulen Rechnung.

2. Die beruflichen Gymnasien werden keine eigenständigen Schulen, sondern bleiben Oberstufengymnasien als Abteilung in den Berufsbildungszentren.

3. Am G 8-Gymnasium soll der Nachmittagsunterricht reduziert sowie zusätzliche Förderstunden eingeführt werden.

GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler sagt dazu: „Die Ministerin hat zumindest teilweise Einsicht gezeigt und unseren gewerkschaftlichen Forderungen nach Korrekturen von bildungspolitischen Fehlentscheidungen nachgegeben. Allerdings stellen diese Maßnahmen keine wirklichen Reformen dar, sie sind lediglich Reparaturen im Rahmen eines bestehenden reformbedürftigen Systems. Die zentralen Probleme des Schulsystems, wie die soziale Ungerechtigkeit und Chancenungleichheit beim Zugang zu höherer Bildung werden dadurch nicht gelöst.“

Die Einführung eines Schulverbundsystems in der Oberstufe wird von der GEW konstruktiv kritisch gesehen, da dies noch viele offene Fragen hinterlässt und sich erst in der Praxis bewähren muss. Unklarheiten bestehen im Bereich des Lehrereinsatzes in der Oberstufe der kooperierenden Schulen, der Fachlehrerversorgung angesichts eines eklatanten Lehrermangels, praktischen Problemen bei räumlich großer Entfernung zwischen kooperierenden Schulen, sowie der Notwendigkeit eines Schulwechsels für Schülerinnen und Schüler, die in eine gymnasiale Oberstufe gehen wollen.

„Wenn Kooperationen nur so verstanden werden, dass eine Schule ihre Schülerinnen und Schüler an eine andere abgibt, ist das sehr dürftig. Echte Kooperationen beinhalten auch eine pädagogische Begleitung von Schülern in der Oberstufe durch das Lehrpersonal der beteiligten Schulen“, sagte Klaus Kessler.

Aus Sicht der GEW stellt das Schulverbundsystem keinen Ersatz für eine notwendige Schulentwicklungsplanung im Saarland insgesamt dar und löst auch nicht die Probleme, die die Erweiterten Realschulen haben infolge stark zurückgehender Anmeldezahlen.

GEW-Chef Klaus Kessler sagt dazu wörtlich: „Die Ministerin drückt sich vor den Wahlen vor der Frage: was passiert mit Erweiterten Realschulen, die heute schon nicht mehr die Voraussetzungen für einen geordneten Schulbetrieb – das ist die Dreizügigkeit – größenmäßig erfüllen? Auch ein Schulverbundsystem kann nicht zur wunderbaren Schülervermehrung an den Erweiterten Realschulen führen. Ebenso stellt sich die Frage nach der langfristigen Zukunft der Gesamtschulen im Saarland. Die derzeitige Regelung, wonach der Bestand der Schulen mit den verschiedenen Oberstufen-Kooperationen nicht angetastet wird, ist unbefriedigend. Dadurch wird vielleicht der Status-Quo gesichert, das bedeutet aber noch lange nicht, einen weiteren Ausbau der Gesamtschulen, der dringend erforderlich ist, solange die Elternnachfrage nach dieser Schulform jährlich größer ist als das Angebot an Gesamtschulplätzen.“

Die GEW fordert Bildungsministerin Kramp-Karrenbauer dazu auf, bereits vor der Wahl Schulentwicklungspläne vorzulegen, die verlässliche Aussagen über den Bestand von Standorten und Schulformen machen. Ansonsten besteht zu befürchten, dass vergleichbar den Grundschulschließungen vor drei Jahren, nach den Wahlen Schulschließungen im Bereich der weiterführenden Schulen vorgenommen werden, gegen die die GEW massiv protestieren wird.

 
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