Lob
und Kritik zu Schulplänen der Bildungsministerin In einer ersten Stellungnahme zu den Schulplänen von
Bildungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sieht die Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, drei
wesentliche Forderungen als erfüllt an.
1. Das neue Schulverbundsystem, in dem die Erweiterten Realschulen,
Gesamtschulen, berufliche Schulen und Gymnasien kooperieren,
akzeptiert bestehende Gesamtschuloberstufen und trägt bereits
bestehenden Oberstufenkooperationen von Gesamtschulen und
Erweiterten Realschulen Rechnung.
2. Die beruflichen Gymnasien werden keine eigenständigen Schulen,
sondern bleiben Oberstufengymnasien als Abteilung in den
Berufsbildungszentren.
3. Am G 8-Gymnasium soll der Nachmittagsunterricht reduziert sowie
zusätzliche Förderstunden eingeführt werden.
GEW-Landesvorsitzender Klaus Kessler sagt dazu: „Die Ministerin hat
zumindest teilweise Einsicht gezeigt und unseren gewerkschaftlichen
Forderungen nach Korrekturen von bildungspolitischen
Fehlentscheidungen nachgegeben. Allerdings stellen diese Maßnahmen
keine wirklichen Reformen dar, sie sind lediglich Reparaturen im
Rahmen eines bestehenden reformbedürftigen Systems. Die zentralen
Probleme des Schulsystems, wie die soziale Ungerechtigkeit und
Chancenungleichheit beim Zugang zu höherer Bildung werden dadurch
nicht gelöst.“
Die Einführung eines Schulverbundsystems in der Oberstufe wird von
der GEW konstruktiv kritisch gesehen, da dies noch viele offene
Fragen hinterlässt und sich erst in der Praxis bewähren muss.
Unklarheiten bestehen im Bereich des Lehrereinsatzes in der
Oberstufe der kooperierenden Schulen, der Fachlehrerversorgung
angesichts eines eklatanten Lehrermangels, praktischen Problemen bei
räumlich großer Entfernung zwischen kooperierenden Schulen, sowie
der Notwendigkeit eines Schulwechsels für Schülerinnen und Schüler,
die in eine gymnasiale Oberstufe gehen wollen.
„Wenn Kooperationen nur so verstanden werden, dass eine Schule ihre
Schülerinnen und Schüler an eine andere abgibt, ist das sehr
dürftig. Echte Kooperationen beinhalten auch eine pädagogische
Begleitung von Schülern in der Oberstufe durch das Lehrpersonal der
beteiligten Schulen“, sagte Klaus Kessler.
Aus Sicht der GEW stellt das Schulverbundsystem keinen Ersatz für
eine notwendige Schulentwicklungsplanung im Saarland insgesamt dar
und löst auch nicht die Probleme, die die Erweiterten Realschulen
haben infolge stark zurückgehender Anmeldezahlen.
GEW-Chef Klaus Kessler sagt dazu wörtlich: „Die Ministerin drückt
sich vor den Wahlen vor der Frage: was passiert mit Erweiterten
Realschulen, die heute schon nicht mehr die Voraussetzungen für
einen geordneten Schulbetrieb – das ist die Dreizügigkeit –
größenmäßig erfüllen? Auch ein Schulverbundsystem kann nicht zur
wunderbaren Schülervermehrung an den Erweiterten Realschulen führen.
Ebenso stellt sich die Frage nach der langfristigen Zukunft der
Gesamtschulen im Saarland. Die derzeitige Regelung, wonach der
Bestand der Schulen mit den verschiedenen Oberstufen-Kooperationen
nicht angetastet wird, ist unbefriedigend. Dadurch wird vielleicht
der Status-Quo gesichert, das bedeutet aber noch lange nicht, einen
weiteren Ausbau der Gesamtschulen, der dringend erforderlich ist,
solange die Elternnachfrage nach dieser Schulform jährlich größer
ist als das Angebot an Gesamtschulplätzen.“
Die GEW fordert Bildungsministerin Kramp-Karrenbauer dazu auf,
bereits vor der Wahl Schulentwicklungspläne vorzulegen, die
verlässliche Aussagen über den Bestand von Standorten und
Schulformen machen. Ansonsten besteht zu befürchten, dass
vergleichbar den Grundschulschließungen vor drei Jahren, nach den
Wahlen Schulschließungen im Bereich der weiterführenden Schulen
vorgenommen werden, gegen die die GEW massiv protestieren wird.