Sozialerhebung des Studentenwerks

Die GEW hat die politischen Parteien aufgefordert, sofort nach der Bundestagswahl eine BAföG-Erhöhung um mindestens zehn Prozent auf den Weg zu bringen und die Ausbildungsförderung...

 

umfassend zu reformieren. Die Bildungsgewerkschaft reagierte damit auf die Ergebnisse der neuen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW), die heute in Berlin vorgestellt wurde.
"Weil die staatliche Studienfinanzierung verkümmert, müssen immer mehr Studierende jobben. Die Eltern der Studierenden müssen immer tiefer in die Tasche greifen", fasste Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender und Hochschulexperte der GEW, die alarmierenden Ergebnisse der Studie zusammen. 68 Prozent der Studierenden gingen demnach in der Vorlesungszeit zusätzlich arbeiten, das seien sechs Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren. 59 Prozent der Jobberinnen und Jobber geben an, dass dies für den Lebensunterhalt notwendig sei. "Studieren darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen", betonte Keller, "deshalb kann die BAföG-Anpassung nicht länger warten." Mittlerweile unterstützten Eltern ihre studierenden Kinder immer stärker mit Sachleistungen: Deren Geldwert sei von 2012 bis 2016 um 18 Prozent gestiegen, während die staatliche Ausbildungsförderung stagnierte. In Zukunft sollten die BAföG-Fördersätze automatisch mit den steigenden Lebenshaltungskosten erhöht werden, verlangte der GEW-Hochschulexperte.
In gleicher Weise wie die Fördersätze sollen nach dem Willen der Bildungsgewerkschaft auch die Freibeträge für das Elterneinkommen steigen. "Nur noch 15 Prozent aller Studierenden erhalten Leistungen nach dem BAföG. So verkümmert die staatliche Ausbildungsförderung zu einer Randerscheinung der Studienfinanzierung", betonte Keller. Die BAföG-Reform müsse deshalb ganz nach oben auf die Agenda der neuen Bundesregierung. Dazu gehöre auch, BAföG endlich wieder von einem Teildarlehen zu einem Vollzuschuss umzubauen und das BAföG für Schülerinnen und Schüler ab Klasse elf an allgemeinbildenden Schulen wieder einzuführen.
Info: Die Gewerkschaften GEW, ver.di und IG Metall sowie der DGB und die DGB-Jugend haben im Februar 2017 einen "Alternativen BAföG-Bericht" vorgelegt, der online abrufbar ist: https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/immer-mehrstudierende-immer-weniger-bafoeg/

Hintergrund ist, dass die Bundesregierung den turnusmäßig alle zwei Jahre erscheinenden BAföG-Bericht verschoben hatte. Weil in der Sozialerhebung ein relevanter Anteil aller Studierenden nicht mitgezählt wird, beispielsweise weil diese verheiratet sind oder in Teilzeit studieren, weist der Bericht eine höhere BAföG-Gefördertenquote unter den Studierenden aus (18 Prozent), als er sich beim Bezug der Gefördertenzahlen auf die Gesamtzahl der Studierenden ergibt (15 Prozent, vgl. Alternativer BAföG-Bericht der Gewerkschaften).

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