GEW fordert Sofortprogramm

Saarbrücken – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnt mit Blick auf die ernüchternden PISA-Befunde dringend an, Anstrengungen zu unternehmen, um den Lehr- und Fachkräftemangel effektiv zu bekämpfen. ...

 Auch, dass sich die Abhängigkeit der schulischen Leistungen der Kinder und Jugendlichen vom Elternhaus seit 25 Jahren nicht verringert hat, bezeichnet die Bildungsgewerkschaft als „Skandal“.

„Das Bildungssystem hat seit Jahrzehnten sowohl ein Leistungs- als auch ein eklatantes Gerechtigkeitsproblem. Wir brauchen zum einen eine durchgängige Förderung der Grundkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen und zum anderen einen Um- und Ausbau des Bildungssystems, sodass Bildungserfolg unabhängiger vom Elternhaus wird. Dazu braucht es massive Investitionen, wie z. B. das ‚Zukunftsvermögen Bildung‘, das die Saar SPD laut eigenem Regierungsprogramm einrichten wollte“, so der Landesvorsitzende Max Hewer.

Dabei mangelt es aus Sicht der GEW nicht an Daten oder Erkenntnissen über die Probleme im Bildungssystem. „Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Wir brauchen nicht noch mehr Daten und Studien, die uns immer wieder bestätigen, was längst bekannt ist. Wenn zu viele Schüler:innen in zu großen Klassen unterrichtet werden und gleichzeitig das notwendige Personal für individuelle Förderung fehlt, dann sind die Ergebnisse der PISA-Studie eine logische Folge. Entscheidend ist deshalb, dass aus den Erkenntnissen endlich konkrete politische Konsequenzen gezogen werden“, fordert Hewer.

Konkret bedeutet das für die GEW, in der frühkindlichen Bildung einen klaren Schwerpunkt auf Qualität und den Ausbau der Kitaplätze zu legen und dafür insbesondere in ausreichend qualifiziertes Personal zu investieren. In der Kita werden die Grundlagen für die weitere Bildungsbiografie gelegt. Damit die Einrichtungen ihrem Bildungsauftrag gerecht werden und die Bildungsprogramme tatsächlich umsetzen können, brauchen sie die entsprechenden personellen und strukturellen Voraussetzungen.

Für die Schulen fordert die Bildungsgewerkschaft ein Sofortprogramm:

  • 200 zusätzliche Planstellen für Lehrkräfte
  • 100 zusätzliche Planstellen für multiprofessionelle Teams, u. a. Sprachförderlehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und Lehrwerkmeister:innen
  • Reduzierung der Klassenteiler auf 23 Schüler:innen
  • Ausbau der Lehramtsstudiengänge, insbesondere im Primarbereich, sowie Einrichtung eines neuen Lehrstuhls für Sonderpädagogik
  • Ein zusätzliches Seiteneinsteigerprogramm für Mangelfächer, um die Bewerber:innenzahlen zu erhöhen und Reserven an den Schulen bilden zu können
  • Neukonzeptionierung der Personalstunden im FGTS-Bereich unter Wahrung der Qualität und unter Einbezug weiterer Professionen in die multiprofessionellen Teams, um Lehrerstellen für den Fachunterricht zu generieren

Darüber hinaus muss das Thema Bildung auch im Bund zur Chefsache erklärt werden. „Das Startchancenprogramm der Bundesregierung ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn es nicht verstetigt und Teil des Systems wird. Während man für das ‚Sondervermögen Bundeswehr‘ das Grundgesetz geändert hat, gibt es keinen politischen Konsens, dies auch für die Bildung zu tun. Das ist ein Armutszeugnis der Bundespolitik“, so Hewer abschließend.